Verräter
Elei schob den Vorhang ein Stück zur Seite. Auf dem Vorplatz steuerte ein hellblauer Lieferwagen um den Brunnen. Die Seite des Wagens war mit dem Logo einer Gebäudereinigungsfirma bedruckt.
»Was sehen Sie?«, fragte Kohagen, der noch immer beim Sekretär stand.
Der Lieferwagen fuhr bis knapp vors Haus. Durch die Windschutzscheibe machte Elei zwei Männer aus. Ihre Silhouetten hätte er auf einen Kilometer Entfernung erkannt. Einer von Ihnen richtete den Blick direkt auf die Lücke im Vorhang.
»Alte Bekannte«, sagte Elei und ließ den Stoff wieder zurückfallen.
»Polizei?«
Elei drehte sich zu ihm um. »Nein,BND. Leute fürs Grobe.«
»Was wollen die hier?«, fragte Kohagen. Der nervöse Klang in seiner Stimme verriet, dass er die Antwort schon erahnte.
»Fragen wir sie«, meinte Elei und bahnte sich einen Weg durch den blutigen Schauplatz bis zur Haustür. Kohagen folgte ihm zögerlich.
Als Elei nach draußen trat, waren die beiden Männer bereits ausgestiegen und lehnten sich lässig gegen die Kühlerhaube. Lars und Konstantin. Grabers Bulldoggen.
»Sieh an, wen haben wir denn da«, sagte Konstantin mit einem abfälligen Grinsen. Mit seinen eins fünfundneunzig war er der Größere der beiden. Aber nur unwesentlich. Auch Lars brachte es auf über eins neunzig. Beide Agenten waren gut in Form. Breitschultrig und muskulös. Ihre immensen Körpermaße hatten allerdings den Nachteil, dass der Kopf etwas zu klein wirkte, was sie etwas beschränkt aussehen ließ. Ein Eindruck, der sich noch verstärkte, wenn sie ihre Klappe aufmachten.
Elei sagte nichts und lehnte sich gegen den Türrahmen. Er sah einen nach dem anderen an. Er ließ sich dabei alle Zeit der Welt. Musterte die beiden nur und sprach kein Wort.
Lars sah irritiert zu Konstantin.
»Na, hat’s dir die Sprache verschlagen, du Wichser?«, sagte er.
Elei schwieg weiter. Starrte sie nur an.
Kohagen tauchte neben ihm in der Tür auf.
»Ah, der Professor«, ätzte Lars. »Was führt Sie denn hierher? Die gute Landluft?«
Elei spürte Kohagens fragenden Blick von der Seite. Er gab ihm mit einem kaum merklichen Kopfschütteln zu verstehen, dass er nicht reagieren solle.
»Ich dachte, Graber hätte ein echtes Problem mit meinen Ermittlungen«, sagte er. »Aber wenn er nur euch zwei Affen schickt, kann’s ja wohl nicht so schlimm sein.«
Lars grinste feindselig. »Dir werden die blöden Sprüche noch vergehen, Arschloch. Wenn wir mit dir fertig sind, kannst du dein Kebab nur noch püriert mit dem Röhrchen trinken, Türkenfresse.«
»Jordanier«, korrigierte Elei. »Ich bin zur Hälfte Jordanier.«
»Scheiß drauf«, blaffte Lars. »Ihr seid alle das gleiche Pack.«
Elei schüttelte den Kopf und stieß sich vom Türrahmen ab. »Ich erzähl euch jetzt mal, wie das laufen wird: Ihr sagt, was ihr zu sagen habt, steigt wieder in euer Auto und macht einen Abgang. Dann könnt ihr heute Abend bei einem kühlen Bier den Feierabend genießen. Klingt das gut?«
Lars trat ebenfalls näher. »Deine Klappe ist noch immer so groß wie ein Scheunentor. Aber nur, damit wir später darüber lachen können. Was passiert, wenn wir lieber noch ein bisschen bleiben, um deine hässliche Fresse zu verschönern?«
»Dann werdet ihr in zehn Minuten gefesselt auf dem Boden liegen und zusehen, wie wir mit eurem geklauten Lieferwagen davonfahren.«
Lars und Konstantin lachten.
»Was wollen Sie von uns?«, meldete sich der Forscher.
»Von dir gar nichts, Professor. Du solltest eigentlich gar nicht hier sein. Was hast du hier zu suchen?«
»Habt ihr die Beweise manipuliert?«, wechselte Elei das Thema.
Konstantin baute sich neben Lars auf. »Hör auf