Serum
DerBND verfügte über Hunderte unterirdischer Kellerräume, die seinerzeit der Aktenaufbewahrung gedient hatten. Seit es keinen Papierkram mehr gab, waren die meisten davon umfunktioniert worden. In der Regel wurden sie als Büros genutzt, um der aus allen Nähten platzenden Behörde mehr Platz zu verschaffen.
Es gab aber auch Ausnahmen. Der Raum, in dem sich Elei, Hannah und Kohagen befanden, war zu einem gut gesicherten Gefängnis umgebaut worden. Grabers Leute hatten sich wirklich alle Mühe gegeben. Sogar die Fußleisten waren entfernt worden, damit sie nicht als Waffe genutzt werden konnten. Auch die Schrauben am Gitter des Lüftungsschachts waren verklebt. Die engen Luftkanäle boten zwar keine Fluchtmöglichkeit, aber in den Händen eines ausgebildeten Agenten konnte auch schon eine einzelne Schraube zum Problem werden.
Die Sicherheitsmaßnahmen ihres Gefängnisses waren allerdings nicht der Grund, warum Elei sich Sorgen machte. Es hätte durchaus sein können, dass Graber erst mal an einem neutralen Ort mit ihnen reden wollte. Um sich zu vergewissern, dass er mit ihnen zusammenarbeiten konnte. Aber das war hier eindeutig nicht der Fall. Es gab keine Kameras. Das bedeutete: Was hier gleich geschehen würde, sollte keiner erfahren. So wie Konstantins und Lars’ Besuch beim Waldhaus. Elei sah Hannah an, dass sie seine Besorgnis teilte. Aber sie sprachen nicht darüber. Es brachte nichts, auch den Forscher noch nervös zu machen.
Nur drei Minuten nachdem man sie hier eingesperrt hatte, pochte es an der Tür.
Ein Mann rief barsch: »An die hintere Wand stellen. Mit dem Rücken zur Tür.«
Vermutlich hatten sie draußen einen Radio-Scanner aufgestellt. Dadurch wurde ihre Position im Raum so genau angezeigt, als trennte sie nur eine Glasscheibe. Elei wusste, dass sie die Tür erst öffnen würden, wenn sie dem Befehl gehorchten. Er nickte Hannah und dem Forscher zu, und sie taten wie befohlen.
Hinter ihnen betraten mehrere Personen den Raum. An den Schritten zählte Elei drei Soldaten und zwei Zivilisten. Er drehte sich um und sah direkt in den Lauf einesGK7-Sturmgewehrs.
»Keine Bewegung«, blaffte ihn derKSK-Mann an. Sein Gesicht war hinter einer Maske verborgen. »Nicht mal atmen, Freundchen.«
Elei ignorierte ihn und konzentrierte sich auf den Mann hinter ihm. Anton Graber. DerBND-Präsident wirkte angespannt. Ein dünner Schweißfilm lag auf seiner Halbglatze. Er war in Begleitung eines weiteren Mannes in Zivil. Der Kerl war klein und trug einen Pony-Haarschnitt, was ihn gleichzeitig bubenhaft und leicht psychopathisch wirken ließ. In der Hand hielt er einen grauen Koffer.
Nicht gut, dachte Elei.
»Schon in Ordnung«, sagte Graber. Er klang keineswegs feierlich, wie er es in dieser Situation hätte sein können. Stattdessen war sein Ton nüchtern und sachlich.
»Was soll das hier?«, fragte Hannah, die sich nun ebenfalls umgedreht hatte. »Warum haben Sie uns gefangen genommen?«
Graber bedeutete ihr mit einem erhobenen Finger, zu schweigen. Dann befahl er einem Soldaten, Kohagen in die Mitte des Raums zu stellen. Der Soldat zerrte den Forscher von der Wand weg und stieß ihn nach vorn.
»Halten Sie ihm Ihre Waffe an den Kopf«, befahl Graber.
Der Soldat hob sein Gewehr und hielt den Lauf vor Kohagens Stirn. Der Forscher zuckte leicht zusammen, wich aber nicht zurück.
»Drei Fragen«, sagte Graber. »Warum haben Sie das Agens gestohlen? Wo ist es jetzt? Und wie lautet der Terminalcode?«
Das war also der Grund, warum Graber sie hatte festnehmen lassen. Er glaubte noch immer, dass sie zur Gegenseite gehörten.
Der Forscher verengte die Augen. »Sie sprechen von den freigesetztenQLinks auf dem Campus? Auf was sind sie programmiert?«
DerBND-Präsident funkelte ihn zornig an. »Wagen Sie es nicht, mi