: Wendy Behary
: Mit Narzissten leben Wie Sie selbstbezogene Menschen entlarven und dabei wachsen können 3., überarb. Aufl.
: Junfermann Verlag
: 9783749504640
: 1
: CHF 25.30
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: Lebensführung, Persönliche Entwicklung
: German
: 232
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Strategien im Umgang mit Narzissten Unsere Gesellschaft scheint ein Quell für Narzissmus zu sein. Sowohl privat als auch beruflich haben wir es immer wieder mit narzisstischen Menschen zu tun, die sich selbst für den Mittelpunkt des Universums halten. Es versteht sich von selbst, dass der Umgang mit ihnen mitunter mühselig und problematisch ist. Welche Möglichkeiten bestehen also, um gut miteinander auszukommen, sinnlose Diskussionen zu vermeiden und die eigenen Nerven zu schonen? Wendy Behary zeigt in diesem Buch wirksame Strategien auf. Sie lernen, Blockaden von Narzissten durch eine mitfühlende, empathische Kommunikation zu überwinden, Grenzen zu setzen und zu erkennen, wann es an der Zeit ist, sich von nicht akzeptablem Verhalten zu distanzieren. Als die amerikanische Originalausgabe 2008 erschien, war Mit Narzissten leben eines der ersten Bücher zum Thema, das sich an eine breite Öffentlichkeit richtete. Aufgrund seines umfassenden Erklärungsansatzes und weil die Autorin stets neue Erkenntnisse eingearbeitet hat, ist es 'frisch' geblieben. In dieser 3. Auflage werden u.a. Themen wie Umgang mit sexsüchtigen Narzissten oder Kindererziehung mit einem narzisstischen Elternteil stärker beleuchtet.

Wendy Behary ist Begründerin und klinische Leiterin des 'Cognitive Therapy Center' (New Jersey) und Fakultätsmitglied des 'Cognitive Therapy Center and Schema Therapy Institute' (New York). Außerdem hat sie die 'Academy of Cognitive Therapy' mitbegründet. In ihrer Privatpraxis hat sie sich auf die Behandlung des Narzissmus und auf Paartherapie spezialisiert.

1. Erfassen der Situation:Der Versuch, Narzissmus zu verstehen


Die Masse der Menschen führt ein Leben in stummer Verzweiflung.

– Henry David Thoreau

„Wendy, warum soll ich meine Zeit damit verbringen (verschwenden), mich über Narzissmus zu informieren? Verbringe ich nicht schon genug Zeit damit, wenn ich einfach nur versuche, mit ihm klarzukommen? Wie soll mir das helfen? Was ist mit meinem Schmerz? Soll ich ihn etwa bemitleiden wegen seines gestörten Lebens?“ Viele Leserinnen und Leser stellen mir diese wichtigen Fragen. Lassen Sie mich die letzte Frage zuerst beantworten: Nein, sich über Narzissmus zu informieren soll keineswegs dazu führen, dass Sie Mitleid mit dem Betroffenen haben oder ihm Absolution erteilen; aber dieses Wissen kann Ihnen ironischerweise helfen, sich selbst zu befreien undihn zur Verantwortung zu ziehen. Zu viele von einem Narzissten verletzte Menschen werden von Gefühlen wie Selbstzweifeln, falschem Schuldbewusstsein und Hoffnungslosigkeit geplagt. Der Narzisst versteht es meisterhaft, Ihre emotionale Intelligenz in die Irre zu führen, sodass Sie voller Angst und Wut auf der Strecke bleiben – und im Laufe der Zeit können diese beiden Gemütszustände kräftezehrend sein. Je besser Sie die Persönlichkeitsstruktur des Narzissten verstehen, desto besser ist Ihre Chance, sich von Selbstzweifeln, Selbstvorwürfen und dem Gefühl der Machtlosigkeit zu befreien – und desto besser sind Ihre Aussichten, sich selbst zu schützen, Ihre Stimme wiederzugewinnen und Ihr erschöpftes und kostbares Selbst in die Arme zu schließen.

Der Narzisst zieht zugleich an und stößt ab. Er mag wie ein moderner Ritter daherkommen, ein Sir Lancelot unserer Tage, der uns mit seinem großspurigen Charme umgarnt, angetan mit der glänzenden Rüstung unserer Zeit: einem ansehnlichen Investment-Portfolio oder prachtvollen Besitztümern. Aber Vorsicht! Dieser Ritter ist ein meisterhafter Gaukler, der sogar zu einer echten Bedrohung werden kann. Sie laufen Gefahr, zum Opfer seiner Verführungskunst zu werden, doch seine Arroganz, seine herablassende Art, seine Anspruchshaltung und sein Mangel an Empathie sind beklemmend und werden unausweichlich zu frustrierenden und notorisch schwierigen langfristigen Beziehungen führen.

Der narzisstischen Diva begegnet man vielleicht im gediegenen Ambiente einer Konzernzentrale, gekleidet nach der neuesten Mode; möglicherweise auf dem montäglichen Elternabend im Gymnasium, wo sie das große Wort führt; oder beim ­Delegieren lästiger Pflichten auf der Sitzung eines gemeinnützigen Vereins. Vielleicht ist sie auch der Dame auf dem neuesten Titel einer Hausfrauenzeitschrift verblüffend ähnlich, die, mit einem voluminösen Push-up-BH ausstaffiert, den wundertätigen „Wisch-und-Weg“-Bodenmopp anpreist. Ja, für diese Lady gibt es keine Probleme, immer nur Lösungen, und damit hält sie auch nicht hinterm Berg: „Ich will ja nicht prahlen, aber …“ oder „Ich will mich ja nicht beklagen, aber …“ oder „Mir fällt keine andere Frau ein, die sich so etwas gefallen lassen würde …“.

Sie ist die exaltierteste Leidende, das unschuldigste Opfer. Ihre Selbstaufopferung ist unvergleichlich: „So viel wie ich hat noch niemand für die Menschen in seinem Leben aufgegeben …“ Dieses demonstrativ aufopferungsvolle Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse wird noch verstärkt, wenn andere Menschen ihre Selbstlosigkeit und ihr Verlangen nach Zustimmung mit einem ehrfürchtigen „Wie schaffst du das bloß!“ belohnen. In der Tat, diese entzückende, aber völlig unverfrorene, sich als Märtyrerin aufspielende Matrone giert nach Appla