Fragen
Irgendwie war Calvin unzufrieden. Er wusste selbst nicht, weshalb oder wie. Er hatte keinen Grund, unzufrieden zu sein. Er hatte sein Studium begonnen an einer kleinen Universität, wie er es sich gewünscht hatte. Er hatte eine kleine, möblierte Zwei-Zimmer-Wohnung ergattert nicht weit vom Campus entfernt. Er hatte sich eingelebt, hatte erste Freunde gefunden, die Atmosphäre war sehr familiär, die Dozenten jung und ansprechbar – der Start ins Studentenleben war geglückt.
Das Einzige war vielleicht, dass das Studium der Umweltwissenschaft sehr naturwissenschaftlich ausgerichtet war. Zumindest in den ersten beiden Semestern. Fachkenntnisse in Biologie. Chemie und Physik waren erforderlich, dazu Bodenkunde und Geologie, im Grunde hing ja alles mit allem zusammen.
Das war ihm klar gewesen, bevor er sich um einen Studienplatz beworben hatte. Er hatte recherchiert. Er wollte den Bachelor machen und anschließend den Master. Im Master-Studium konnte er sich spezialisieren auf Umweltwissenschaft, Klimaschutz oder Nachhaltigkeit.
Weil bei der Frage, wie die Umweltzerstörung aufzuhalten war, alles mit allem zusammenhing, umfasste das Studium auch Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften, internationales Recht und Politik. Das interessierte ihn.
Wie war das alles gekommen? Diese rasante Erderwärmung der letzten Jahrzehnte? Darüber diskutierte er oft mit seinen Kommilitonen. Es war im Grunde keine Frage der Naturwissenschaft, sondern der Geschichte. Wann hatte der Prozess angefangen? Was war schuld?
Die fortschreitende Technik? War die Technik die Lösung oder Teil des Problems?
Wo hatte das angefangen? Technik, dachte Calvin, ist im Grunde schon die Erfindung des Rades oder der Speerschleuder. Dass die technische Entwicklung überhaupt so lange gebraucht hatte, war höchst erstaunlich, wenn man das Tempo des Fortschritts von der Dampfmaschine bis zur Künstlichen Intelligenz