: Rainer Gross
: Jesus trinkt den Kaffee schwarz Erzählung
: Books on Demand
: 9783758352973
: 1
: CHF 5.30
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 128
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Irgendwi war Calvin unzufrieden. Dabei hatte er gar keinen Grund: Er hatte das Studium der Umweltwissenschaft an einer kleinen Universität begonnen, hatte eine kleine Wohnung ergattert, hatte Freunde gefunden, hatte einen lukrativen Nebenjob - was wollte er mehr? Aber das Studium warf Fragen auf, Fragen über sein Leben, über die Welt, über den Sinn des Ganzen. Fragen, die ihn abends, wenn er sich zuhause einigelte, nicht in Ruhe ließen. Was wür-de die Zukunft bringen, seine Zukunft und die der Erde? Eines Abends aber erlebte Calvin eine Überraschung, eine unerhörte Begebenheit, die sein gan-zes Leben verändern sollte.

Rainer Gross, Jahrgang 1962, geboren in Reutlingen, studierte Philosophie, Literaturwissenschaft und Theologie. Heute lebt er mit seiner Frau als freier Schriftsteller wieder in seiner Heimatstadt. Er wurde 2008 mit dem Friedrich-Glauser-Debütpreis ausgezeichnet. Bisher sind über sechzig Titel von Rainer Gross erschienen. Zuletzt veröffentlicht: Fürchte dich nicht (2022); Ein Teilchen im Ozean (2022); Geweihte Steine (2022); Feste Häuser (2022); Die erste Nacht des Krieges (2022); Das Jahr des Fuchses (2022); Der Sommer der verlorenen Träume (2022); Das Adventsgeheimnis (2022); Zeit der Äpfel (2022); November-and (2023); Schafsgezwitscher (2023); Das heiratende Mädchen (2023).

Fragen


Irgendwie war Calvin unzufrieden. Er wusste selbst nicht, weshalb oder wie. Er hatte keinen Grund, unzufrieden zu sein. Er hatte sein Studium begonnen an einer kleinen Universität, wie er es sich gewünscht hatte. Er hatte eine kleine, möblierte Zwei-Zimmer-Wohnung ergattert nicht weit vom Campus entfernt. Er hatte sich eingelebt, hatte erste Freunde gefunden, die Atmosphäre war sehr familiär, die Dozenten jung und ansprechbar – der Start ins Studentenleben war geglückt.

Das Einzige war vielleicht, dass das Studium der Umweltwissenschaft sehr naturwissenschaftlich ausgerichtet war. Zumindest in den ersten beiden Semestern. Fachkenntnisse in Biologie. Chemie und Physik waren erforderlich, dazu Bodenkunde und Geologie, im Grunde hing ja alles mit allem zusammen.

Das war ihm klar gewesen, bevor er sich um einen Studienplatz beworben hatte. Er hatte recherchiert. Er wollte den Bachelor machen und anschließend den Master. Im Master-Studium konnte er sich spezialisieren auf Umweltwissenschaft, Klimaschutz oder Nachhaltigkeit.

Weil bei der Frage, wie die Umweltzerstörung aufzuhalten war, alles mit allem zusammenhing, umfasste das Studium auch Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften, internationales Recht und Politik. Das interessierte ihn.

Wie war das alles gekommen? Diese rasante Erderwärmung der letzten Jahrzehnte? Darüber diskutierte er oft mit seinen Kommilitonen. Es war im Grunde keine Frage der Naturwissenschaft, sondern der Geschichte. Wann hatte der Prozess angefangen? Was war schuld?

Die fortschreitende Technik? War die Technik die Lösung oder Teil des Problems?

Wo hatte das angefangen? Technik, dachte Calvin, ist im Grunde schon die Erfindung des Rades oder der Speerschleuder. Dass die technische Entwicklung überhaupt so lange gebraucht hatte, war höchst erstaunlich, wenn man das Tempo des Fortschritts von der Dampfmaschine bis zur Künstlichen Intelligenz