Nur das bewußt Erlebte kann vermittelt werden. Das Bewußtsein ist eine notwendige Voraussetzung zur Erfassung von Wirklichkeit. Wenn es sich verändert, erscheint uns auch die Wirklichkeit verändert. Bei der Nah-Todesvision herrscht ein veränderter, überwacher Bewußtseinszustand vor. Bevor man also herangeht, um solche Erlebnisse zu betrachten, ist es notwendig, etwas über das „Phänomen“ des Bewußtsein zu wissen. Bewußtsein ist, wie das lateinische Wort con-scientia ausdrückt, ein Mit-wissen um das, was gerade geschieht, geschehen kann oder geschehen ist. Das englischeconsciousness = Bewußtsein, scheint mit dem Begriffconscientiousness = Gewissenhaftigkeit verwandt zu sein. Vom lateinischenconscienta, das sowohl „Gewissen“ als auch „Bewußtsein“ im engeren Sinne bedeutet, wirdconscience (Bewußtsein) bei DESCARTES auf den engeren Sinn begrenzt. Wir erinnern uns an der Vieldeutigkeit des Begriffs „Pneuma“, das sowohl Bewußtsein alsauch die sittliche Disposition beinhaltet. Ebenso ist „Bewußtsein“ ein mehrdeutiger Begriff, wie schon G.H. MEAD in den Sechzigern festgestellt hat.10 Es gibt ein Wirken Gottes im Gewissen der Menschen, was besagt, daß der, der heiligt und die, die geheiligt werden, alle von einem einzigen her sind (Hebr.2,11). Darauf komme ich später zurück!
Der Schöpfer des Begriffs „Bewußtsein“ ist CHRISTIAN WOLFF (1679-1754), der 1719 den substantivierten Infinitiv „Bewust seyn“ zum philosophischen Begriff erhob.11 „Bewußtsein“ ist im 19. Jahrhundert zu einer festen Größe geworden, die zwar inhaltlich verschieden gefüllt werden kann - und das macht den Begriff problematisch -, aber als Begriff fixiert vorliegt. Wie alle Begriffe Metaphern sind,