Kapitel 3
"Wissen ist der Schlüssel zur Macht. Wer das Wissen hat, hat die Macht."
Francis Bacon.
Livorno, ein Tag im April 2019
Das Gewicht der Melancholie erdrückte Marco Orsini und überschwemmte ihn mit Traurigkeit über den bevorstehenden Verkauf der familieneigenen Druckerei, einem Ort, der mit seinen schönsten Erinnerungen verbunden war. Dort hatte er die unbeschwertesten Stunden seiner Kindheit verbracht, in der warmen Umarmung seines Großvaters, der ihn mit der Geduld und Hingabe, die ihm seine an ihre beruflichen Verpflichtungen geketteten Eltern nicht geben konnten, in die Geheimnisse des Druckerhandwerks eingeweiht hatte.
Mit Isabellas Krankheit hatte sich die bittere, aber unausweichliche Entscheidung aufgedrängt, das Geschäft zu schließen und die Räumlichkeiten zu veräußern.
Die finanzielle Unterstützung des Familienerbes hatte sich als zu große Belastung erwiesen. Die Druckerei glich nun einer leeren Hülle, der einst laute und lebendige Maschinenpark war bereits größtenteils verkauft oder zu Schrott verarbeitet. Andererseits hatte Marco längst seine berufliche Tätigkeit als Universitätsdozent aufgenommen, die er parallel zu seiner Arbeit als Druckereiunternehmer ausübte.
In jenen Tagen ertappte sich Marco oft dabei, wie er an die Druckerei zurückdachte, ein Juwel der Geschichte und Tradition, versteckt in den engen, gepflasterten Gassen von Livornos Stadtteil Venezia. Das Gebäude aus dem siebzehnten Jahrhundert, immer noch solide und mächtig, stand wie ein stummer Monolith da und zeugte von Generationen von Handwerk und Kreativität.
Der Duft von Tinte und Papier durchdrang die Luft und erfüllte sie mit den Gerüchen vergangener Zeiten. Lange Reihen antiker Druckerpressen, die poliert und in perfektem Zustand gehalten wurden, bewachten den Holzboden, der bei jedem Schritt ächzte. An den Wänden standen Regale voller fein säuberlich angeordneter Schriftzeichen, von denen jedes eine eigene Geschichte zu erzählen hatte. Jeder Winkel des Raumes schien eine