Einführung
Wenn Sie es leid sind, sich schon so lange schlecht zu fühlen
Depressionen verursachen großes Leid[1]. Sie sind der „schwarze Vogel“ in der Nacht, der Ihnen die Freude nimmt; der unruhige Geist, der Ihnen den Schlaf raubt. Sie sind der Dämon am Mittag, den nur Sie allein sehen können; die Dunkelheit, die anderen verborgen bleibt.
Wenn Sie zu diesem Buch gegriffen haben, dann wissen Sie höchstwahrscheinlich, dass diese Metaphern nicht übertrieben sind. Jeder, der schon einmal von Depressionen heimgesucht worden ist, weiß, dass sie zu lähmenden Angstgefühlen, großer persönlicher Unzufriedenheit und einem Gefühl von Leere und Verzweiflung führen können. Sie können bewirken, dass Sie sich hoffnungslos, lustlos und matt fühlen und dass Ihr Leben von einer alles durchdringenden Freudlosigkeit und Enttäuschung geprägt ist, die von der Sehnsucht nach einem Glück stammen, welches Sie nie erlebt haben.
Wir alle würden alles Erdenkliche tun, um uns nicht so zu fühlen. Und dennoch scheint – das ist die Ironie – nichts zu helfen… zumindest nicht sehr lange. Denn unglücklicherweise hat eine Depression, sobald sie einmal aufgetreten ist, die Tendenz, zurückzukommen, selbst wenn man sich seit Monaten besser fühlt. Wenn das bei Ihnen geschehen ist oder wenn Sie anscheinend nicht in der Lage sind, dauerhaft glücklich zu sein, dann ist es gut möglich, dass Sie schließlich das Gefühl entwickeln, nicht gut genug zu sein. Sie fühlen sich dann als Versager/in. Ihre Gedanken drehen sich möglicherweise im Kreis in dem Bemühen, einen tieferen Sinn zu finden und ein für alle Mal zu verstehen, warum Sie sich so schlecht fühlen. Wenn Sie keine zufrieden stellende Antwort auf diese Frage finden können, fühlen Sie sich dann vielleicht noch leerer und verzweifelter. Letzten Endes gelangen Sie vielleicht zu der Überzeugung, dass mit Ihnen etwas grundlegend nicht stimmt.
Doch was wäre, wenn überhaupt nichts „verkehrt“ an Ihnen ist?
Was wäre, wenn Sie – wie praktisch jeder andere, der wiederholt depressive Phasen durchlebt hat – Opfer Ihrer eigenen sehr vernünftigen, ja heroischen Bemühungen geworden sind, sich aus eigener Kraft zu befreien? Das ist vergleichbar mit jemandem, der durch sein Strampeln, durch das er herauskommen will, nur noch tiefer in den Treibsand einsinkt.
Wir haben dieses Buch geschrieben, um Ihnen eine Verständnishilfe zu geben, wie das passiert und was Sie dagegen tun können, indem wir die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse mit Ihnen teilen, die uns ein radikal neues Verständnis davon gegeben haben, durch welche Faktoren Depressionen und chronische Traurigkeit und Unzufriedenheit verstärkt werden:
- In den allerfrühesten Phasen, in denen sich unsere Stimmung allmählich immer weiter verschlechtert, ist es nicht die Stimmung selbst, die den Schaden anrichtet, sondern unsere Reaktion darauf.
- Unsere gewohnten Bemühungen, uns herauszuarbeiten, befreien uns nicht etwa, sondern halten uns in dem Schmerz gefangen, dem wir zu entkommen versuchen.
Mit anderen Worten, nichts, was wirtun, wenn wir in die Abwärtsspirale hineingeraten, scheint zu helfen, weil wir uns durch den Versuch, unsere Depressionen durch die übliche Art der Problemlösung loszuwerden bzw. das zu „reparieren“, was an uns „verkehrt“ ist, nur noch tiefer hineingraben. Um drei Uhr morgens zwanghaft über den Zustand unseres Lebens nachzugrübeln… uns selbst wegen unserer „Schwäche“ zu kritisieren, wenn wir spüren, wie wir in die Traurigkeit abgleiten… die verzweifelten Versuche, unser Herz und unseren Körper davon abzubringen, sich so zu fühlen – all das ist nichts als ein geistiges Kreisen, das nur immer weiter abwärts führt. Jeder, der sich in schlaflosen Nächten unruhig hin- und hergewälzt hat oder der sich durch endloses Grübeln von allen anderen Belangen seines Lebens hat ablenken lassen, weiß sehr wohl, wie fruchtlos solche Bemühungen sind. Und doch wissen wir auch, wie leicht es ist, sich in diesen Angewohnheiten des Geistes zu verfangen.