: Nika S. Daveron
: Vermillion: Blut und Eis
: epubli
: 9783758461866
: 1
: CHF 3.60
:
: Science Fiction, Fantasy
: German
: 276
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Als die achtzehnjährige Trêve Kerrigan im Jahr 1921 in Grytviken, einem Ort mitten in der Antarktis, ankommt, fühlt sie sich im ewigen Eis regelrecht begraben. Ihr Vater, ein renommierter Walfänger, ist nur selten zu Hause, und sie langweilt sich tödlich auf South Georgia, bis eines Tages Haya in ihr Leben tritt - eine geheimnisvolle junge Frau, die faszinierend schaurige Geschichten erzählt. Als Trêve beginnt, diese aufzuschreiben, geschehen jedoch seltsame Dinge auf der Insel. Dunkle Kreaturen schleichen nachts um die Häuser, und obendrein gehen äußerst merkwürdige Dinge im Labor von Hayas Vater vor sich. Und dann ist da noch der Mann ohne Schatten, der die Tore zum Inferno der gescheiterten Schöpfung öffnet.

Nika S. Daveron stellte bereits im frühen Alter von 8 Jahren fest, dass das Beste am PC die Tastatur war - neben dem väterlichen Gratisvorrat an leeren Blättern. Geboren 1985 im schönen Köln, lebt sie derzeit in Neuss und verkauft ihren Kunden IT Lösungen. Wenn sie sich nicht gerade im Sattel oder auf den deutschen Galopprennbahnen herumtreibt, glüht die Xbox oder die Maus; Computerspiele können auch schon mal den Schlaf kosten. Krach geht bei ihr durchaus als Musik durch, wenn sie sich auf Industrial-Partys die Nacht um die Ohren schlägt.

Trêve


Der Ort heißt Grytviken. Und er liegt am Ende der Welt. So viel weißTrêve Kerrigan von ihrem Vater. Und sie weiß, dass es dort unheimlich kalt ist. Aber sie ist Kälte gewohnt, hat sie doch ihre Kindheit auf Spitzbergen verbracht. Jedenfalls einen Teil davon, bevor ihr Vater beschlossen hat, sich auf die Jagd nach größeren Tieren zu machen. Vorher waren es Walrösser, Füchse und Robben gewesen. In Grytviken sind es Wale. Zwei Jahre hat sie ihren Vater nicht gesehen. So wirklich bedauert Trêve es nicht, denn sie mag nicht, was er tut. Doch nachdem ihre Mutter dahingeschieden ist, hat sie keine Ausrede mehr, warum sie nicht nach Grytviken kommen sollte.

Das ist der Grund, warum sie, in dichten Pelz gehüllt, auf dem Deck derNarragansett steht und sich den eisigen Wind ins Gesicht pusten lässt. South Georgia scheint daseine Ende der Welt zu sein. Genau wie Spitzbergen das andere Ende der Welt ist. Die Flagge der britischen Krone weht an Land, Trêve kann sie sehen, wenn sie die Augen zusammenkneift.

Der Kapitän der Narragansett tritt neben sie. »Miss, wir legen gleich an. Haben Sie Ihr Gepäck?«

Trêve nickt und deutet auf die beiden Reisekoffer zu ihren Füßen. Ist der Alte blind? Ein Wunder, dass sie die vielen Untiefen überhaupt unbeschadet überstanden haben, wenn der Kapitän nicht einmal ein paar Koffer vor seiner Nase sehen kann.

Das väterliche Telegramm in ihrer Brusttasche ist kurz und knapp. Ihr Vater spricht ausschließlich im Befehlston, egal ob per Post oder von Angesicht zu Angesicht. Manchmal hegt Trêve den Verdacht, dass er lieber General geworden wäre. Aber immerhin, er ist Kapitän auf seinem eigenen Walfangschiff. Sie hat mit Erstaunen davon gelesen, dass ihr Vater tatsächlich Erfolg hat und durchaus eine feine Summe Geld sein Eigen nennt.

Die Narragansett beginnt ihr Wendemanöver, um im Hafen von Grytviken anzulegen, während Trêve ihren Blick schweifen lässt. Das also ist ihr neues Heim. Eine sichelförmige Bucht, die Schiffe der Walfänger, das spitze Dach einer kleinen Kirche und viele kleine Häuser. Das Leben hier scheint zu gedeihen, jedenfalls besser, als auf der kahlen Insel vor Spitzbergen.

Es ist Herbst, wenn man das so nennen kann. Oder Spätsommer. Wenige Grad unter null, Sonnenschein, und eine nicht sonderlich dicke Schneedecke, die die Stadt einhüllt. Aus einigen Kaminen dringt Rauch hervor und es wirkt auch sonst alles heimeliger als in Spitzbergen.

Die Mannschaft der Narragansett beginnt mit ihrem Ritual, sie lassen den Anker hinab. Einige brüllen zackige Befehle ins Wasser, die Nixen von South Georgia unterstehen schon seit einer Ewigkeit der königlichen Oberhoheit Englands. Und wenn man es genau nimmt, werden sie wie Sklaven missbraucht. Obwohl natürlich die Sklaverei schon lange abgeschafft ist. Offiziell. Inoffiziell heißt es im Gesetzestext aber, dass die Nixen, als Halbwesen dem Menschen dienlich sein müssen, da ihre tierischen Instinkte, sie für eine Anerkennung zur menschlichen Spezies nicht qualifizieren.

Trêve kennt die Nixen. Sie findet die meisten von ihnen nett, aber viele von ihnen meiden die Menschen. Kein Wunder. Die Nixen von Spitzbergen sehen allerdings ganz anders aus als diese hier. Dort oben, im Norden haben sie blonde Haare und blaue Augen. Hier im Süden wirken sie dunkler. Sie sieht schwarze Mähnen, braune Haut und stählerne Muskeln