Prolog
Es war für diese Gegend recht ungewöhnlich, wenn zum Einbruch der Nacht ein Sturm aufzog. Doch in jener Nacht prasselten unzählige Regentropfen wie Kugeln eines Maschinengewehrs gegen die Glasscheiben einer alten Hütte. Der tosende Wind drohte dabei, die Hütte und seinen allein lebenden Bewohner fortzuwehen.
Im dunklen Glas des Fensters innerhalb der Hütte spiegelte sich seine Gestalt wider. Er schien in seinen Dreißigern zu sein. Die Robe, die er trug, glich farblich seinem weißen Haar und war mit einem altmodischen Muster verziert. Die Iriden seiner Augen schimmerten blau.
Das kleine Zimmer war nur spärlich mit schlichten Möbeln bestückt. Der Schein des Kaminfeuers tauchte alles in ein orangefarbenes Licht. Dort saß der Mann auf einem runden Hocker. Vor ihm stand eine Leinwand eines begonnenen Bildes.
Der Mann blickte aus dem Fenster. Lediglich die Regentropfen, die ununterbrochen neu auf die dunklen Fensterscheiben fielen, konnte man sehen.
Doch obwohl nichts zu erkennen war, sah der Mann weiterhin aus dem Fenster. Es ging ihm nicht darum, etwas in seiner materiellen Form zu sehen. Vielmehr ermächtigte ihn das Hinausblicken, seine Kreativität freizusetzen.
Das Gemälde, das der Mann gerade malte, zeigte einen heiteren Himmel und eine Wiese, auf der ein junges Mädchen, gehüllt in ein schneeweißes Kleid, stand. In keinem Moment hielt der Pinsel still. Es war so, als würde er die Wiese und das Mädchen durch das Fenster seines inneren Auges genaustens beobachten.
Plötzlich riss ein lauter Schlag ihn aus der Arbeit. Etwas klebte an seinem Fenster. Etwas Rotes. Zuerst dachte er, dass eine Art Blutklumpen sein Fenster getroffen hatte. Doch als er genauer hinsah, erkannte er, dass es ein Mädchen in roter Militäruniform war, die von der Fensterseite in sein Sichtfeld getreten war. Die Zeit schien für den Mann anzuhalten.Dies kann kein Trugschluss sein, dachte der Mann.
Der Mund des Mäd