Kapitel 2: Was Mia verabscheut und eine Stimme aus fernen Erinnerungen
Selbst nachdem die junge Prinzessin wieder zu sich gekommen war, blieb sie erschöpft und alle viere von sich gestreckt auf ihrem Bett liegen.
„Ich fühle mich ... äußerst unwohl.“ Ohne jeden Appetit vermochte sie nicht einmal das Mittagsmahl zu sich zu nehmen. Sie hätte so gern daran geglaubt, dass alles nur ein böser Traum gewesen war. Doch dafür waren ihre Erinnerungen viel zu lebhaft und dann war da noch das blutbefleckte Tagebuch, das es ihr zusätzlich erschwerte, das alles als einfachen Albtraum abzutun. „Ugh ...“ Sie stöhnte und wälzte sich auf ihrem Bett hin und her, während sie sich Gedanken über Gedanken machte — ganze dreißig Minuten lang.
„So langsam werde ich hungrig ...“Grrrlll, knurrte ihr Magen. Keine volle Stunde war vergangen, seit sie das Mittagessen abgelehnt hatte. „Stimmt ja. Ich hörte einst, dass Naschen beim Nachdenken helfen soll“, sagte sie und klatschte in die Hände. Bei diesem blendenden Einfall strahlte Mia förmlich auf. Geschwind hopste sie von ihrem Bett und eilte aus ihrem Gemach.
Der Kaiser und seine Familie lebten im sogenannten Weißmondpalast. Seine Korridore waren mit grüngoldenen und weißen Mondsteinen sowie prachtvollen Ornamenten verziert, die von der Blütezeit des Kaiserreichs zeugten. Mia wusste jedoch, dass dieses schon bald seinem Untergang geweiht wäre.
Sie tapste durch die üppig gestalteten Gänge, bis sie schließlich an einem der vier Speisesäle des Schlosses ankam — dem Weißnachtspeisesaal. In dem weitläufigen Raum stand ein Mann, der Mia bei ihrer Ankunft verblüfft ansah.
„Wenn das nicht unsere Prinzessin ist. Wie kann ich Euch behilflich sein, Eure Hoheit?“
Er war so groß wie ein Bär und hatte einen vollen, bauschigen Bart. Ihn hier vorzufinden, überraschte Mia ein wenig, denn ...Das ist doch ... der Chefkoch, den ich entlassen habe. Sie hatte ihn an ihrem vierzehnten Geburtstag gefeuert, weil er ihr nichts als das Gemüse serviert hatte, das sie über alles hasste. „Das wäre dann wohl ungefähr in zwei Jahren ...“
„Hm, Verzeihung?“
„Nichts, schon gut. Wissen Sie, ich bin ein wenig hungrig geworden. Könnten Sie mir vielleicht eine kleine Zwischenmahlzeit zubereiten? Ein Kuchen aus Mondbeeren wäre äußerst vorzüglich.“
Als der Chefkoch ihre Bitte vernahm, sah er sie stirnrunzelnd an. „Bitte verzeiht, aber wenn Ihr kein Mittagsmahl zu Euch nehmt, kann ich Euch leider auch keine Kleinigkeit für zwischendurch