Panspermie
von Roger Bandai
Feng und ich standen unter der Highwayauffahrt nach Blue Diamond District, in der Schlucht zwischen mächtigen Betonpfeilern und Bergen von zurückgelassenem Müll. Gut geschützt vor den Blicken der Hauptstadt von Xentronia machten wir dort unsere Geschäfte. Hier lagen Megatonnen von undichten Bioschlackebehältern und Haufen von Cyberschrott, sinnlos und unbrauchbar gewordene Technik für die vollsynthetische Hochglanzzivilisation, für uns aber Ersatzteile und Nahrung. Festgeschmorte Drähte quollen aus ausgeschlachteten Synthetikorganen hervor, verbrannt und verdreht. Es war die Heimat des erbärmlichen Restes des biologischen Lebens von Xentronia – der Junk-Tumor-Complex – unsere Heimat.
»Also was ist jetzt, Feng?«, murmelte ich.
Irgendwoher hörte ich ein Schaben. Wahrscheinlich kramte jemand im Müll nach Resten von Industriechemikalien, um daran zu nuckeln. Auf dem Beton verteilt lagen überall Zugedröhnte. Wir hatten uns hier festgesaugt wie Nacktschnecken an einer Mülltonne. In einem Zustand fieberhaften Delirs, zitternd, brütend, und ständig auf der Suche nach Stoff. Einige versammelten sich um brennende Mülltonnen. Der Rauch und die Wärme von diesen kleinen Feuern stiegen entlang der Betonwände in die Luft auf, bildeten wirre Schatten und wirbelten die Rußpartikel des letzten echten Lebens dieses Planeten durcheinander.
Fengs Synthhand wanderte zu seiner Brust. Ich machte mich bereit, ihm eine mit meinem karbonverstärkten Ellenbogen in sein Plastikgesicht zu verpassen.
»Hey, cool bleiben Ash! Ich hab’ nichts verkauft, nur getauscht. Gegen dieses Baby …«
Eine Klappe in seiner Brust ging auf, Dampf zischte hervor. Er nahm einen Flachmann raus und trank.
Seine Bewegungen waren eckig, aber sicher nicht vom Stoff. Es war wegen seiner ungeölten Synthgelenke. Er l