Wenn ich mit dem heutigen Wissen zurückblicke, habe ich schon damals oft über meine Leistungsgrenze bis hin zur Erschöpfung agiert - weil ich es musste! Niemand war für uns da, der uns beim Aufwachsen unserer Drillinge hätte helfen können. Oft war auch ich auf mich allein gestellt, da die Geschäftsreisen meines mittlerweile Ex-Mannes gefühlt von Jahr zu Jahr zunahmen. Vielleicht war ich sogar von je her überfordert mit mir, der Situationund den drei kleinen Kindern. Manches Mal habe ich meine Kids angeschrien, aus Verzweiflung, Überforderung und der Angst, dass mir alles entgleiten könnte. Dieses Verhalten tut mir noch immer verdammt weh und leid. Heute ist mir klar, das ging alles viel zu schnell. Ich hatte gar keine Chance, den Tod meiner Mutter zu verarbeiten, und habe mich quasi mit der Vorfreude auf die langersehnten Kinder getröstet und abgelenkt. Somit habe ich die Trauerarbeit niemals abgeschlossen und bin irgendwo (in den Trauerphasen) stecken geblieben. Dabei wäre eine Verarbeitung dieses schlimmen Erlebnisses so verdammt wichtig gewesen. Wie so viele Ereignisse in meinem Leben habe ich auch dieses niemals thematisiert und einfach beiseitegeschoben. Mit jedem Erlebnis negativer Art wurde meine Seele Stück für Stück immer mehr belastet. Durch diesen Prozess der ständigen Überlastung, Überforderung, Verzweiflung und Versagensängsten hat die schwere Depression, die sich unbemerkt schleichend im Vormarsch befand, einen optimalen Nährboden gefunden. Natürlich spielen da auch Kindheitserlebnisse und Traumata eine Rolle. Aber das alles ist mir erst bewusst geworden, seitdem ich intensiv an mir und dieser Krankheit arbeite.
Nach der Trennung brach für mich eine Welt zusammen. Das klassische Bild von Familie - Mutter/, Vater/, Kind - schien auf einmal gestört. Erschreckend erschien mir jedoch, dass ich nicht als Erstes dachte, dass ich meinen Partner verloren habe, sondern das Konstrukt Familie. Natürlich hatten auch wir schwere Phasen zu meistern, aber wir waren eine Familie und daran wollte ich stets festhalten, koste es, was es wolle. Aber genau dies erwies sich als großer Fehler, denn damit habe ich unwissend meine Psyche unglaublich belastet. Durchhalten für die Familie auf Kosten meiner Gesundheit; das ist mir erst mit dem heutigen Wissen bewusst.
Nachdem mein Mann also mir gegenüber seinen Trennungsbeschluss äußerte, wurde der bis dahin schleichende Prozess der sich im Vormarsch befindenden Depression um ein Vielfaches beschleunigt. Ich befand mich nun in einerechten Krise! Auch