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Der nächste Arbeitstag ist unangenehm. Die Sekretärin teilt mir mit, dass sich Susi krankgemeldet habe. Dann muss ich eine Menge Verwaltungskram erledigen, was mich ziemlich lange aufhält und nicht gerade erheitert.
Aber als ich nach Hause komme, wartet dort ein Päckchen auf mich: Meine letzte Erwerbung auf einer Auktion. Ein Paar honigfarbene Andenkengläser für holländische Touristen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit eingravierten Burgansichten und Sinnsprüchen auf Niederländisch. Das muss gefeiert werden! Ich platziere die Gläser auf ein Mahagoni-Sideboard, leuchte sie mit einem Strahler an und beginne, unter den Klängen von Vivaldi, ein Steak zu braten.
Am nächsten Abend holen mich meine Eltern ab für den Besuch bei Herrn Hansen. Er residiert in einem großen modernen Haus am Hang mit Blick über den Strom und die Berge. Wir werden von ihm und seiner Frau, einer ausgesprochen liebenswürdigen Dame, sehr freundlich empfangen. Während Hansen selbst sehr jovial und gönnerhaft auftritt, ist sie bei aller Freundlichkeit eher zurückhaltend. Im Gegensatz zu seiner legeren Kleidung, weite Cordhose und dünner Rollkragenpullover, erscheint sie in einem schwarzen Kostüm aus Bleistiftrock und Bolerojacke sowie einer schwarzen Taftbluse, was ihre wohlproportionierte Figur nur wenig versteckt. Zwischen ihren, wie es scheint großen, Brüsten, die sie geschickt durch die dunkle Bluse kaschiert hat, baumelt ein sichtlich kostbarer goldener Anhänger.
„Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen“, sagt sie, nimmt meine Hand mit einem festen Druck und schaut mir direkt in die Augen. „Sie können meinem Mann bestimmt viel erzählen – mit Ihren Kenntnissen!“
Ich wehre bescheiden ab und meine, dass das zu meinem Beruf gehöre.
„Ach was“, meint sie, während sie meine Hand und mich damit noch immer in ihrer Nähe hält. „Sie werden ja sehen!“
Herr Hansen ist mit meinen Eltern bereits im Wohnzimmer, wir kommen nach, so kann ich sie noch etwas beobachten. Ihr starkes Parfüm umweht mich und ihr strahlender Blick hat etwas gleichsam Hypnotisches. Ihr Händedruck war so angenehm, dass ich mich bei dem Wunsch ertappe, mehr von ihrer Haut berühren zu dürfen. Aber da ist etwas, was ich nicht erkennen kann: Sie macht den Eindruck, als würde sie gebremst oder innerlich gefesselt. So wirkt auch ihre Figur: gebändigt, aber in der Tiefe wild; ein besseres Wort fällt mir nicht ein.
Es gibt nur einen kleinen, schlichten Imbiss mit einer Tomatensuppe und einem grünen Salat. Dazu schenkt Herr Hansen allerdings einen vorzüglichen Rotwein aus, dessen Cuvée ich nicht err