: Gustav Meyrink, Orlando Syrg
: Joerg K. Sommermeyer
: Gustav Meyrinks Der Golem Ein Roman
: Books on Demand
: 9783758357190
: Orlando Syrg Taschenbuch: ORSYTA
: 1
: CHF 8.30
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 190
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Klassiker der phantastischen Literatur! In jüdischer Dichtung und Mystik ist der Golem ein sagenhaftes von einem Rabbi magisch aus Lehm geformtes Wesen von gewaltiger Kraft. Seinem Meister hörig, muss er dessen Aufträge besorgen. In Meyrinks Version, begegnet der Erzähler (Hutverwechsler; vgl. unten, S. 15) als Gemmenschneider Athanasius Pernath (seine andere traumhafte Identität) dem Golem im naturalistisch gezeichneten Prager Ghetto, auf dem Weg der Selbsterkenntnis mit dem Ziel spiritueller Durchdringung aller Lebensbereiche, anarchistischen Energien verdrängter Triebe ausgesetzt, mit kabbalistischer Symbolik, Verbrechen, Glaubensschwärmerei, Ekel und Weisheit konfrontiert.

Gustav Meyrink (Meyer), geboren am 19. Januar 1868 in Wien; gestorben am 4. Dezember 1932 in Starnberg. Erzähler, Dramatiker, Übersetzer. 1889-1902 Bankier in Prag. 1902 erleidet er zu Unrecht wegen Verdachts der Geldunterschlagung drei Monate Gefängnis. Er kann sich strafprozessual rehabilitieren, sein geschäftlicher und sozialer Leumund sind freilich zerrüttet. Meyrink begibt sich nach Wien, arbeitet temporär als Redakteur der satirischen Zeitschrift »Der liebe Augustin«. 1906 zieht er nach München, 1911 nach Starnberg. Seine Hauptwerke sind zugleich Klassiker der phantastischen Literatur: »Der Golem«, »Das grüne Gesicht«, »Walpurgisnacht« und »Der weiße Dominikaner«.

Tag


Da stand ich plötzlich in einem düsteren Hof und sah durch einen rötlichen Torbogen gegenüber ‒ jenseits der engen, schmutzigen Straße ‒ einen jüdischen Trödler an einem Gewölbe lehnen, das an den Mauerrändern mit altem Eisengerümpel, zerbrochenen Werkzeugen, verrosteten Steigbügeln und Schlittschuhen und vielerlei anderen abgestorbenen Sachen behangen war.

Und dieses Bild trug das quälend Eintönige an sich, das alle jene Eindrücke kennzeichnet, die tagtäglich so und so oft wie Hausierer die Schwelle unserer Wahrnehmung überschreiten, und rief in mir weder Neugierde noch Überraschung hervor.

Ich wurde mir bewusst, dass ich schon seit langer Zeit in dieser Umgebung zu Hause war.

Auch diese Empfindung hinterließ mir trotz ihres Gegensatzes zu dem, was ich doch vor kurzem noch wahrgenommen und wie ich hierher gelangt, keinerlei tieferen Eindruck. ‒ ‒

Ich muss einmal von einem sonderbaren Vergleich zwischen einem Stein und einem Stück Fett gehört oder gelesen haben, drängte sich mir plötzlich der Einfall auf, als ich die ausgetretenen Stufen zu meiner Kammer emporstieg und mir über das