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Die Beerdigung auf dem Kettwiger Bergfriedhof verlief wie alle Beerdigungen in Kettwig. Stilvoll und trotzdem bescheiden. Der Sommer hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. Der Wind wurde still, der Regen, der am frühen Morgen eingesetzt hatte, hörte auf. Die Sonne gab ihr Bestes, um sich durch die Wolken zu drängen und sich von der alten Dame zu verabschieden. Ihre Strahlen umspielten den Priester, als er rührende Worte zu der Trauergemeinde sprach, und einen dicken Mann mit rotblonden Haaren, als er den Kieselsteinweg hinaufstolperte und sich unter die Gruppe der Trauergäste mischte. Er verschaffte sich mühelos einen Platz neben Carsten Kosinski, dem Neffen der Verstorbenen, indem er seinen mächtigen Körper als Rammwalze einsetzte. Der routinierte Priester übersah die entstehende La-Ola-Welle und brachte seine Trostworte zu Ende.
„Mensch, Leo, du kommst wie immer zu spät“, knurrte Kosinski. Er hatte sich für den heutigen Tag in seinen feinen grauen Anzug geworfen. Der war zwar etwas älter und etwas knitterig,