: Gabriele Fischer, Arkadiusz Komorowski
: Sucht Neue Erkenntnisse und Behandlungswege. Ein medizinischer Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Ursachen von Sucht und Möglichkeiten zur Suchttherapie im Überblick.
: MANZ Verlag Wien
: 9783214254087
: Ratgeber der MedUni Wien
: 1
: CHF 16.80
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: Sonstiges
: German
: 232
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Suchtprävention, Suchthilfe und Ursachenforschung: Die neuesten Erkenntnisse Übermäßiger Alkoholkonsum, Esssucht, Abhängigkeit von legalen und illegalen Substanzen - die Anzahl der Menschen mit Suchterkrankungen steigt stetig an. Doch worin bestehen die Ursachen von Sucht und Substanzmissbrauch? Sind Alkohol und Tabak wirklich so 'harmlos', wie sie dargestellt werden, im Vergleich zu Cannabis oder 'harten' Drogen? Das Autor:innen-Team Univ.-Prof.in Dr.in Gabriele Fischer und DDr. Arkadiusz Komorowski räumt mit veralteten Vorstellungen über Suchterkrankungen auf. Sie präsentieren die neuesten Erkenntnisse aus der Suchtforschung und sprechen über Anzeichen von Abhängigkeit sowie moderne Behandlungsmethoden. - Suchterkrankungen, wie sie entstehen und diagnostiziert werden - Was passiert bei einer Sucht im Gehirn? Mechanismen und neurologische Veränderungen - Substanzgebundene und nicht-substanzgebundene Suchterkrankungen im Porträt - Begleiterkrankungen, Suchtprävention und Therapiemöglichkeiten - Gesundheit.Wissen: Die medizinische Ratgeber-Reihe von Manz Suchtmedizin praxisnah erklärt: Von Prävention bis zur wirksamen Suchttherapie Was bewirkt die Sucht im Gehirn? Welche alters- und geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt es im Suchtverhalten? Die Autor:innen beleuchten mit viel Expertise den neuesten Stand der Suchtforschung. Ihre Erklärungen sind ebenso fundiert wie für interessierte Laien verständlich. Suchterkrankungen sind schwere psychiatrische Erkrankungen. Die richtige Behandlung und ein vorurteilsfreier Umgang mit Sucht können entscheidend für ein erfolgreiches Loskommen von Substanzmissbrauch und Verhaltenssucht sein. Dieses Sucht-Buch gibt einen breiten Überblick über den Stand der Forschung. Ein wertvoller Ratgeber für Betroffene und Angehörige!

Gabriele Fischer

verant ortet als Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie die Suchtforschung und -therapie an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien. Als international renommierte Sucht- und Menschenrechtsexpertin setzt sie sich in zahlreichen Gremien für die Verbesserung bestehender Behandlungsstrukturen ein.


DDr. Arkadiusz Komorowski

arb itet als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien u.a. im Bereich der Suchtmedizin und der Forensischen Psychiatrie. Zudem ist er im Bereich der ambulanten psychiatrischen Rehabilitation tätig.

WAS IST EINE SUCHTERKRANKUNG?

Das folgende Kapitel beleuchtet das komplexe Thema der Suchterkrankungen aus biologischer, psychologischer und sozialer Perspektive. Es werden aktuelle Modelle der Suchtentwicklung sowie Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit beschrieben. Zudem wird die Rolle von adäquaten Behandlungsangeboten und zeitgemäßen Therapieansätzen verdeutlicht. Auch nicht-substanzgebundene Suchterkrankungen wie pathologisches Glücksspiel oder eine Esssucht weisen ähnliche Symptome wie substanzgebundene Suchterkrankungen auf und bedürfen einer umfassenden Behandlung. Nicht zuletzt werden die Herausforderungen im Umgang mit Suchterkrankungen verdeutlicht und die Notwendigkeit einer ganzheitlichen und personalisierten Behandlung betont.

EINLEITUNG

Suchterkrankungen betreffen nicht nur das gesamte Spektrum der medizinischen Fachdisziplinen, sondern zählen auch zu den schwersten Erkrankungen des psychiatrischen Formenkreises. Eine psychiatrische Erkrankung bedarf einer multifaktoriellen Betrachtung: Während bei einigen Betroffenen genetische Faktoren oder körperliche Begleiterkrankungen relevant sind, liegen die Krankheitsursachen bei anderen in kritischen Lebensereignissen. Somit sind allgemeine Prognosen über das individuelle Risiko einer Suchterkrankung oder die Schwere des Verlaufes nicht seriös möglich. Es ist wichtig, zu verstehen, dass Suchterkrankungen nicht dem Behandlungsmodell von Infektionen folgen, die z. B. durch Antibiotika innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums geheilt werden. Vielmehr zeigt sich ein chronischer Verlauf, vergleichbar dem Bluthochdruck oder der Zuckerkrankheit. Eine anhaltende Linderung der Beschwerden erfordert in den meisten Fällen eine dauerhafte Lebensstilveränderung. So verwundert es nicht, dass „Impfungen“ zur Behandlung von Nikotin- oder Kokainabhängigkeit laut Forschungsergebnissen keinen nachhaltigen Erfolg bringen.

Eine Besonderheit von Suchterkrankungen ist, dass es im Lebenszeitverlauf häufig zu psychiatrischen (wie Depressionen oder Angststörungen) und körperlichen (wie Organschädigungen oder Infektionserkrankungen) Begleiterkrankungen kommt. Vielfach sind (nicht behandelte) psychiatrische Grunderkrankungen die Ursache, dass sich sekundär eine Substanzgebrauchsstörung entwickelt. Dadurch fällt es Betroffenen zunehmend schwer, eine Abstinenz zu erreichen.

Im menschenrechtlichen Kontext des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen – der sogenannten UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) – wird deutlich, dass Personen mit schwerwiegenden Suchterkrankungen unter Umständen mit den Anforderungen in ihren alltäglichen sozialen Rollen nicht zurechtkommen. In der Präambel der UN-BRK, die 2008 von Österreich ratifiziert wurde, wird betont, dass Behinderungen aus einer Wechselwirkung zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und umweltbedingten Barrieren entstehen, die sie an der vollen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern. Dies betrifft insbesondere Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, und somit auch Personen mit chronischen Suchterkrankungen. Über Jahre unbehandelte bzw. fortbestehende Suchterkrankungen führen