Es ist sechs Uhr. Aus dem Radiowecker nebenan im Schlafzimmer vermeldet eine ruhige, sachliche Stimme die Frühnachrichten. Merten richtet sich halb auf, greift sich mit einer Hand an den verlegenen Nacken und lässt seinen Kopf behutsam wieder auf die brettharte Armlehne sinken. Konjunktur. So ein Blödsinn. Wenn Konjunktur wäre, würde ich jetzt aufstehen und zur Arbeit gehen. Er sieht das Buch, das aufgeschlagen auf seinem Bauch liegt, es ist zur Hälfte rot gefärbt und noch feucht von dem Wein, der beim Einschlafen darüber gelaufen sein muss. Einige der Seiten wellen sich und kleben bereits aneinander. Es war kein besonders gutes Buch, aber er hätte es trotzdem gern zu Ende gelesen. Das kann er jetzt wohl vergessen.
Mit zwei Fingern greift er die trockene Seite und legt es neben sich auf den Couchtisch. Dabei entdeckt er das Glas, es ist auf den Teppich gefallen und heile geblieben. Im Radio spielen sie nacheinander Nat King Cole, Ella Fitzgerald und Bix Beiderbecke. Dieser Morgen hat für Merten etwas von einem Säugling, der noch niemandem etwas angetan hat. Für einen Moment lang fühlt es sich an, wie ein ganz neuer Anfang. Aber das harte Sofa ist eine Qual,