1. fremd
Etwas ist nicht so, wie es sein sollte. Sie spürt es, sobald sie die Augen aufschlägt, kann ihre Empfindung aber nicht benennen. Sie zwinkert. Einmal. Zweimal.
Denk nach, Bianca, erklingt es in ihrem Geist.Orientiere dich, überlege, entscheide und handle!
Sie liegt auf dem Rücken, starrt auf einen hellen Plafond mit einer kreisrunden, abgeschalteten Deckenleuchte. Unter sich spürt sie etwas Weiches, vermutlich eine Matratze. Nicht weit entfernt erklingt Vogelgezwitscher. Vielleicht eine Nachtigall.
Bianca wendet das Gesicht zur Seite. Es knistert leise unter ihren brustlangen blonden Haaren. Sie sieht eine weiße Fläche vor sich; eine weiß verputzte Innenmauer. Es ist keine gewöhnliche Wandfarbe. Sie wirkt rau und fleckig, strahlt Tiefe und unnahbare Kälte aus, könnte ebenso eine Mauer aus Schnee sein.Ein Kalkanstrich, denkt Bianca.Ungewöhnlich.
Der Überzug des Kissens ist weich und flauschig. Ein angenehmer Duft entweicht dem Baumwollstoff. Sie mag den Geruch – frisches Heu, gemischt mit Bergluft und Lavendel. Seit wann verwendet sie dieses Parfum? Ist es überhaupt ein Parfum? Womöglich ihr eigener Schweiß oder der Duft des Waschmittels? Es fällt ihr schwer, den Geruch einzuordnen, denn da ist noch