: Oscar Wilde, Orlando Syrg
: Joerg K. Sommermeyer
: Oscar Wildes Werke I Das Bildnis des Dorian Gray
: Books on Demand
: 9783758379758
: 1
: CHF 7.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 184
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Oscar Wildes Hauptwerk; berühmt und zugleich notorisch skandalös, sowohl erschreckend als auch geistreich und witzig. Umformung des Lebens durch eine moral- und zweckfreie Kunst. Ästhetizismus im Fin de Siècle. Schönheitskult; amoralisch, antibürgerlich, provozierend. Dorian Gray bleibt vordergründig jung und schön, sein Gemälde protokolliert die Vernichtung seiner Seele.

Oscar Wilde (Oscar Fingal O'Flahertie Wills) erblickte das Licht der Welt am 16. Oktober 1854 in Dublin als zweitgeborener Sohn des Arztes William Wills und der Dichterin Jane Francesca Elgee Wilde. Er glänzte als Schüler und Student, gewann Preise und Stipendien. Kunst und Kultur der italienischen Renaissance und des antiken Griechenlands faszinierten ihn. Prinzipien John Ruskins, Walter Paters ästhetischer Impressionismus und französischer Symbolismus prägten ihn. 1884 heiratet er Constance Lloyd, mit der er zwei Söhne hatte. Er publizierte Gedichte, Erzählungen und Märchen, Bühnenstücke und Essays und einen einzigen Roman (The Picture of Dorian Gray, 1890 / 1891). Der Marquis von Queensberry (Vater seines Geliebten Lord Alfred Douglas) bezeichnete Wilde als Sodomiten, worauf dieser erfolglos eine Verleumdungsklage anstrengte, die zum Bumerang wurde. Wilde wurde in der Folgezeit zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Einzelhaft verbringen musste, die ihn an Leib und Seele ruinierten. Nach seiner Entlassung floh er nach Paris, wo er am 30.11.1900 verstarb.

Erstes Kapitel


Starker Rosenduft durchströmte das Atelier, und als ein leichter Sommerwind die Bäume im Garten hin und her wiegte, kam durch die offene Tür der schwere Geruch des Flieders oder der feinere Duft des Rotdorns.

Von dem Perserdiwan, auf dem er lag und nach seiner Gewohnheit unzählige Zigaretten rauchte, konnte Lord Henry Wotton gerade die süßduftenden und honigfarbenen Blüten eines Goldregenstrauchs gewahren, dessen zitternde Zweige die Last einer so flammenden Schönheit kaum tragen zu können schienen; und hie und da flitzten die phantastischen Schatten vorbeifliegender Vögel über die langen bastseidenen Vorhänge des großen Fensters und brachten eine Art japanische Augenblickswirkung hervor, sodass ihm die blassen, nephritfarbenen Maler Tokios einfielen, die vermittelst einer Kunst, die nicht anders als unbeweglich sein kann, den Eindruck der Raschheit und Bewegung hervorzurufen suchen. Das summende Murren der Bienen, die in dem langen ungemähten Gras hin und her taumelten oder mit eintöniger Hartnäckigkeit die staubiggo