Maryville, Tennessee
Die Bitte um eine vorzeitige Entlassung aus dem Krankenhaus hatte Dr. Collins ausgeschlagen und Dr. Garcia, der sich Zoey als Psychiater vorgestellt hatte, riet ebenfalls davon ab.
Zoey hoffte inständig, dass sich ihre Eltern nicht auf den Weg in die Stadt machten und sie bald Antworten auf ihre Fragen erhalten würde.
„Die Chance auf eine Wiederkehr der Erinnerung ist sehr hoch“, hatte sie Dr. Garcia getröstet. „Allerdings benötigen Sie wahrscheinlich eine Traumatherapie, um damit fertig zu werden.“
Wegen ihrer Verletzungen war sich Zoey im Laufe des Tages bewusst geworden, dass sie körperlich schwer misshandelt wurde. Die fehlende Erinnerung an das Geschehen verlieh ihr eine Distanz zum Ereignis. Sie empfand die Schwere des Verbrechens nicht in dem Ausmaß, wie sie es fühlen sollte. Viel mehr beschäftigten sie die Gedanken, wie es überhaupt dazu gekommen war. Was war der Vergewaltigung vorausgegangen? Hatte sie in Knoxville kurzfristig jemanden kennengelernt, der sie auf eine Wanderung mitgenommen hatte? Wie war es möglich, dass sie so gar kein Bewusstsein davon hatte? Sie nahm keine Drogen, trank kaum Alkohol und war bislang kerngesund gewesen. Wie konnte ihr Kopf nun so versagen? Dr. Collins hatte ihr versichert, ihr Gehirn wäre heil geblieben.
Der Tag zog sich unendlich in die Länge und die kreisenden Gedanken zermarterten Zoey zunehmend. Gern hätte sie in der Firma angerufen, wo sie mittlerweile arbeiten sollte. Doch sie hatte keine Nummer im Kopf und auch keinen Zugang zum Internet. Ihr fehlendes Aufkreuzen vor einer Woche