: Literaturlabor Leverkusen, Christian Linker, Regina Schleheck
: Heimatträume Neue Texte aus dem Literaturlabor Leverkusen
: Books on Demand
: 9783758356919
: 1
: CHF 8.80
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 140
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Heimat ist ein Apfel und ein Wolkenspiel, ein Löwe, ein Treppenlift, das Bayer-Kreuz. Heimat ist nah oder fern, kann das Geschlecht wechseln, riecht nach Topfengolatschen. Heimat wird verkauft, verleugnet, neu entdeckt, Heimat tröstet dich, verfolgt dich, lässt dich nicht los. Heimat ist im Kopf, im Herzen, am Rhein, an der Abbruchkante. In Träumen und Erinnerungen, mit Laptops und Notizbüchern hat sich das Literaturlabor Leverkusen auf Heimatbesuch begeben, haben sich die Autorinnen und Autoren mit echten, fiktiven und autofiktionalen Heimaten auseinandergesetzt und die Ergebnisse zusammengetragen. 27 Geschichten voller Spannung oder Freude, Wehmut oder Glück, Verlust oder Humor - manchmal auch von allem zugleich.

Das Literaturlabor Leverkusen hat sich 2019 auf Initiative eines ortsansässigen Unternehmens gegründet, um Schreibtalente in der Farbenstadt am Rhein zu fördern. In wechselnder Zusammensetzung arbeiten rund zwanzig Autorinnen und Autoren im Alter zwischen 15 und 70 Jahren gemeinsam an Texten und entwickeln ihr Schreiben weiter. Mit"Traumfabrik" 2019 und"Traumbilder" 2020 haben bislang zwei Anthologien vorgelegt.

JACQUI FREVEL


DER TREPPENLIFT

Ja. Ich wollte es auch. Hatte mich einverstanden erklärt. Der Liebe wegen. Natürlich wollte ich endlich wieder ankommen, mein Herz öffnen, ein Zuhause für die Kinder, für mich und auch für dich finden.

Sollte ich es wirklich toll finden, künftig auch noch deinen behinderten Kumpel mitzuversorgen? Ich hatte ihn noch nicht einmal mit Beinen gekannt – also bevor er sich vor den Zug geschmissen hatte. Du erzähltest mir nun ständig, dass er vorher, mit Beinen, genauso groß gewesen wäre, wie du – als könnte mich dieses Argument irgendwie zum Umdenken bewegen.

Die Kinder waren sofort einverstanden, es gab sogar Streit. Darum, wer Michael zuerst in unsere Etage tragen dürfte, damit er unten nicht so alleine wäre.

Auch als ich ihnen erklärte, dass Michael kein Haustier sei, das man beliebig umhertragen könne, blieben sie fest in ihrer Absicht, einen Transportdienst einzurichten. Vielleicht fanden die Kids aber auch nur die Jugendstil-Villa so verlockend. Die würden wir nur beziehen können, wenn Michael mit uns einzöge.

Ja. Finanziell wäre diese Konstellation eine attraktive Lösung. Wir würden leben wie die Von-und-Zus dieser Welt – eine Vorstellung, die mich reizte, aber mir auch ein wenig Bauchschmerzen bereitete.

Die Villa erstreckte sich über drei großzügige Etagen. Wir würden uns somit gut aus dem Weg gehen können, jeder bekäme seinen Freiraum, und trotzdem könnten wir immer, wenn uns danach wäre, zusam