AKT I
ÄGYPTEN (ALEXANDRIA)
PHILO (zu DEMETRIUS):
Dies Geschmachte unsres Feldherrn
Schwillt über alles Maß: sein klares Auge,
Das über Kriegsschlachtreihn und Heere stählern
Wie Mars hinweggeblitzt hat sonst, das schaut, das schielt
In demutsvollem Äugeldienst nur noch
Aufs Stückchen braune Haut: sein Feldherrnherz,
Das sonst im dicksten Schlachtgefühl die Spangen
Ihm von der Brust gesprengt hat, leugnet ’s Naturell
Und wurd zum Blasbalg und zum Fächer, ’ner
Zigeunerin die Brust zu kühlen.
…
Gib nur Acht, wirst ihn als dritte Säule von
Roms Weltenreich gleich umgewandelt sehn
Zum Gimpel einer Hur: schau hin und sieh.
(William Shakespeare, Antonius und Kleopatra, 1. Akt, 1. Szene)
„Das geht überhaupt nicht mehr. Der Mann ruiniert uns alle mit seinen Eskapaden. Lümmelt sich mit dieser Schlange die ganze Nacht bis Mittag im Bett herum und kümmert sich nur noch ums Vergnügen. Wir sehen aus wie dumme Jungs und wissen nicht mehr aus noch ein.“
Obwohl er sich im Gefolge des Antonius befand, hatte Philo sich förmlich in Rage geredet, als er wieder einmal den Boten aus Rom vor die Tür setzen musste, der zu Antonius mit der Bitte um Rat und Hilfe gekommen war. „Marcus Antonius ist im Augenblick unpässlich, kommen Sie morgen wieder“, beschied er den Bittsteller, der sich in den letzten Tagen bereits dreimal im Palast von Alexandria gemeldet hatte, um auszurichten, in Rom brenne die Hütte, Antonius müsse umgehend kommen, um den Zugriff zur Macht vor seinen Rivalen schützen zu können.
Man kannte den Feldherrn eigentlich ganz anders, wenn er sich seine innenpolitischen Gegner zur Brust nahm und entweder kurzen Prozess mit diesen machte oder ganze Heerscharen aufbot, um zu demonstrieren, wer Herr im Imperium Romanum war und wer sich unterzuordnen habe.
Demetrius konnte seinem Freund Philo nur beipflichten, denn nicht erst seit kurzer Zeit waren sie im Sold und Dienste des großen Feldherrn. Schon seit Jahren standen sie an seiner Seite, wenn Antonius schlachterprobt alle Kraft daransetzte, sich gegen Pompeius, seine Feldherren und Freunde durchzusetzen.