Das Bild der erst seit etwa einem Jahrhundert Ruhrgebiet genannten Region wird bekanntlich sehr weitgehend noch immer durch ein Imaginarium von Industrie und De-Industrialisierung bestimmt. Die Umcodierung von industriellen Produktionsstätten in Industriedenkmale hat bildmächtige Erinnerungsorte geschaffen – etwa das Industriedenkmal der Kokerei Hansa in Dortmund Huckarde.1 Die Bildstrategien der Fotografien von Bernd und Hilla Becher waren wichtige Agenten in diesem Prozess.2 In seiner Einseitigkeit und zeitlichen Verengung auf nicht einmal 150 Jahre verstellt dieses Bild – Image – allerdings den Horizont. Ausgeblendet bleibt beispielsweise sehr weitgehend die Bildungs- und Wissenschaftsregion, die – neben den bedeutenden Aufbrüchen seit den 1960er Jahren – ihrerseits auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann.3 Und auch die reiche Kulturtradition der Region steht im Schatten einer einseitigen Wahrnehmung.4 Herausragender Ort für Bildung und Kultur war seit der Christianisierung der Region – neben dem Kloster Werden – das Frauenstift Essen, zu dem die Kirche St. Urbanus und das Dorf Huckarde bis 1803 gehörten.5 Zukunftsgestaltung – zu der ganz konkret die Stadt- und Raumplanung gehören und ebenso die Vorbereitungen für die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027 mit ihrem Motto „Wie wollen wir morgen leben?“ – bedarf daher nicht zuletzt der Arbeit an den Narrativen und an den Bildern.
Doppelt im Visier. Zugleich kontrastiert und miteinander in Dialog gese