: Renée Tribble, Sarah Hübscher, Marita Pfeiffer, Michael Ortwald, Felix Kutzera, Johanna Ufkes
: Christopher Kreutchen, Julius Reinders, Barbara Welzel
: Choreografien Kultureller Teilhabe Huckarde: Kokerei Hansa und St. Urbanus
: Books on Demand
: 9783758388781
: 1
: CHF 10.60
:
: Bildende Kunst
: German
: 286
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wissenschaft und Kunst vor Ort. Diese Choreografie führt verschiedene Erkenntnismethoden in ihrer Eigenlogik an einem Ort zusammen und bringt sie in ein Gespräch. Zugleich kontrastiert und miteinander in Dialog gesetzt werden in diesem Projekt zwei Erinnerungsorte, der eine - die Kokerei Hansa - außer Gebrauch gefallen und grundstürzenden Transformationen unterworfen, der andere - die Kirche St. Urbanus - ein Ort, an dem sich gegenwärtiges kirchliches Leben und die kulturelle Erinnerung an vergangene Epochen, Bekenntnis und säkulares Denkmal durchdringen. An diesen spezifischen Erinnerungsorten treffen sich Stadt- und Raumplanung, Bildungswissenschaften, Kunstgeschichte und Kulturelle Bildung sowie Künstlerisches Arbeiten nicht im strengen Sinn zu einem interdisziplinären Programm. Vielmehr gilt es vorort, Reichweiten von Disziplinen zu kartieren. Ziel ist es, Kontaktzonen und unterschiedliche wissenschaftliche Zuständigkeiten zu verstehen - und doch zugleich gemeinsam auf Erkenntnissuche zu gehen. Mit dieser Publikation werden die Erträge als Beitrag zur Arbeit am Bild des Ruhrgebiets, an seiner Weiterentwicklung sowie als Choreografien der Partizipation vorgestellt - und können vielleicht ihrerseits zu Exkursionen und Bildexperimenten sowie zur mitgestaltenden Partizipation anstiften.

Barbara Welzel
Doppelt im Visier:
Kokerei Hansa und St. Urbanus


Das Bild der erst seit etwa einem Jahrhundert Ruhrgebiet genannten Region wird bekanntlich sehr weitgehend noch immer durch ein Imaginarium von Industrie und De-Industrialisierung bestimmt. Die Umcodierung von industriellen Produktionsstätten in Industriedenkmale hat bildmächtige Erinnerungsorte geschaffen – etwa das Industriedenkmal der Kokerei Hansa in Dortmund Huckarde.1 Die Bildstrategien der Fotografien von Bernd und Hilla Becher waren wichtige Agenten in diesem Prozess.2 In seiner Einseitigkeit und zeitlichen Verengung auf nicht einmal 150 Jahre verstellt dieses Bild – Image – allerdings den Horizont. Ausgeblendet bleibt beispielsweise sehr weitgehend die Bildungs- und Wissenschaftsregion, die – neben den bedeutenden Aufbrüchen seit den 1960er Jahren – ihrerseits auf eine mehr als 1000-jährige Geschichte zurückblicken kann.3 Und auch die reiche Kulturtradition der Region steht im Schatten einer einseitigen Wahrnehmung.4 Herausragender Ort für Bildung und Kultur war seit der Christianisierung der Region – neben dem Kloster Werden – das Frauenstift Essen, zu dem die Kirche St. Urbanus und das Dorf Huckarde bis 1803 gehörten.5 Zukunftsgestaltung – zu der ganz konkret die Stadt- und Raumplanung gehören und ebenso die Vorbereitungen für die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027 mit ihrem Motto „Wie wollen wir morgen leben?“ – bedarf daher nicht zuletzt der Arbeit an den Narrativen und an den Bildern.

Doppelt im Visier. Zugleich kontrastiert und miteinander in Dialog gese