1
Ich stehe mitten im Gang wie bestellt und nicht abgeholt und sehe mich um. Die meisten Gäste der Gala haben ihre Plätze schon eingenommen. Jeder weiß, wo er hingehört, nur ich fühle mich wie im falschen Film – vollkommen fehl am Platz.
„Sie sehen so aus, als wüssten Sie nicht, wohin“, spricht mich ein smarter, viel zu gut aussehender junger Mann im schwarzen Dreiteiler an. Womöglich ist er ein berühmter Schauspieler – ein Star erster Güteklasse – und ich habe keine Ahnung, wer er ist. Da ich keinen Fernseher besitze und selten ins Kino gehe, kenne ich mich in der Filmbranche nicht so aus, was mit großer Wahrscheinlichkeit als Gast dieser Veranstaltung ein No-Go ist.
„Ja, so ist es“, antworte ich dem schönen Mann mit seinen unverschämt leuchtend blauen Augen. Dabei beginnen meine Wangen aufzuglühen, als wollten sie Alarm schlagen oder einen Grill anzünden.
Ich bin es nicht gewohnt, unter Menschen zu sein. Am liebsten verkrieche ich mich in meinem Atelier und widme mich meiner Kunst.
„Vielleicht kann ich Ihnen ja helfen“, scheint er sich in den Kopf gesetzt zu haben, mir unter die Arme zu greifen.
Ich lächle ihn bloß unsicher an und frage mich, wie man einer verlorenen Seele wie mir helfen könnte.
„Zeigen Sie mir doch mal Ihre Einladung“, fordert er mich auf und hält mir seine Hand entgegen. Folgsam tue ich, was er verlangt. Widerspruch wurde nicht in meine Gene programmiert. Ich suche die Karte in meiner Handtasche und reiche sie ihm. Dabei sehe ich ihn mit meinen hellbraunen Augen hoffend an, dass er mir sagt, was ich zu tun habe.
„Sie sind Lea Waldeck?“, fragt er verblüfft. „Die Lea Waldeck? Tochter des großen Regisseurs Udo Waldeck?“
Ich antworte nicht, lächle ihn bloß verlegen an und beginne, mit meinen hüftlangen blonden Locken zu spielen. In solche Situationen gerate ich ständig, sobald jemand meinen Namen erfährt. Dabei will ich gar nicht erkannt werden, sondern mein Leben unauffällig in der Versenkung verbringen. Was kann ich