: Jo Cunningham
: Miss McMurray rechnet mit dem Schlimmsten Kriminalroman
: Goldmann Verlag
: 9783641312886
: Ein Fall für Miss McMurray
: 1
: CHF 8.90
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 368
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der erste Fall für Hobbydetektivin Una McMurray

Una McMurray arbeitet bei einer Lebensversicherung und kann mit Zahlen mehr anfangen als mit Menschen. Dass die Menge der Todesfälle in britischen Küstenorten gravierend von ihrer Statistik abweicht, ist ihr unbegreiflich. Bei einem Besuch im beschaulichen Eastbourne, dem Heimatort ihrer Mutter, stößt Una gleich auf zwei eigentümliche Vorfälle: Eine ältere Dame wurde von einem Blumenkorb erschlagen, und ein Rentner starb nach der Kollision mit einem Einkaufswagen. Zu Unas Entsetzen waren beide Opfer mit Ken befreundet, dem neuen Mann an der Seite ihrer Mutter. Sie beschließt, Ken und die rätselhaften Vorfälle in Eastbourne genau unter die Lupe zu nehmen ...

Ein großartiges Cosy-Crime-Debüt mit unvergesslicher Heldin und herrlich britischem Humor

Jo Cunningham ist in Birkenhead, im Nordwesten Englands, aufgewachsen und lebt inzwischen in London. Sie hat Kreatives Schreiben studiert und verfasst neben Romanen auch Comedy fürs Radio. Jo löst gerne Kreuzworträtsel, schaut Krimiserien oder lernt neue Dinge, die sie nie wieder brauchen wird – zum Beispiel Bühnenkampf oder Buchbinden.

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Das Geschenk für die Aktuarin, die alles hat

Es ist kein Zufall, dass der Begriff für eine Gruppe von Möwen »Shitstorm« lautet. Una hatte an diesem Morgen aufs Ausschlafen verzichtet, um sich auf die Reise ins möwenverseuchte Eastbourne vorzubereiten. Zwar hatte es noch keine Todesfälle durch Möwenangriffe gegeben, aber sie wollte auch nicht das erste Opfer sein. Eine verspiegelte Fliegerbrille schützte ihre Augen – für den Fall, dass eine Möwe sie angriff, würde sie in den Gläsern eine Artgenossin sehen und wieder abdrehen. Außerdem trug Una eine wasserdichte Jacke, um sich vor Attacken von oben zu schützen. So gewappnet machte sie sich zuversichtlich auf den zwanzigminütigen Weg vom Bahnhof Eastbourne zur Wohnung ihrer Mutter.

Es war ein ungewöhnlich sonniger Januarmorgen, doch das ging in Ordnung, denn sie hatte reichlich Creme mit Lichtschutzfaktor 50 aufgetragen. Sie passierte das laute, aber möwenfreie Einkaufszentrum und betrat ein Labyrinth aus gepflegten Reihenhäusern und schmucken Pensionen, bevor sie Morningview Mansions erreichte, einen kleinen Wohnblock aus den 1950er-Jahren in einer der Seitenstraßen, die zur Küste führten. Sie klingelte und stieg zur Wohnung ihrer Mutter hinauf: zwei Schlafzimmer, zwei Bäder (eines davon en suite) und ein Wohn-Ess-Zimmer. Wenn man sich eng an den Kühlschrank drückte, konnte man sogar das Meer sehen.

»Schau dich nur an, du siehst gut aus«, sagte ihre Mum und zog sie in eine Umarmung. »Stell deine Tasche da ab und setz dich. Du kannst deine Sonnenbrille abnehmen, hier drinnen gibt es keine Möwen.«

Una nahm in dem gepolsterten Sessel Platz, und ihre Mum stellte eine dampfende Tasse Tee vor ihr auf den gläsernen Couchtisch (Glas!), bevor sie ihre eigene Tasse auf der Armlehne des Sofas gegenüber platzierte.

»So, bitte sehr. Eine schöne Tasse Tee für dich«, sagte sie, und das frisch gefärbte Haar glitzerte im Sonnenlicht.

Ihre Mum trug ein türkisfarbenes Leinenkleid und eine Kette mit großen orangen Perlen, die hoffnungsvoll auf und ab wippten. Ihr Aussehen hatte sich in den letzten sechs Monaten gewandelt. Das musste an Kens Einfluss liegen.

Una entdeckte diesen »Einfluss« auch im Zimmer.

»Was ist das?«, fragte sie und zeigte auf den Kaminsims.

Ihre Mum strahlte. »Das ist ein Amazon-Echo, eins von Kens Weihnachtsgeschenken. Er verwöhnt mich immer. Da fällt mir ein, er hat auch ein Geschenk für dich dagelassen.«

Sie öffnete den Schrank in Teakholzoptik, der eine auffällige, aber akzeptable Neigung aufwies – sie hatten letztes Jahr einen anstrengenden Nachmittag damit verbracht, ihn zusammenzubauen, und dabei weniger Wert auf Detailarbeit gelegt als ihr Dad früher. Sie nahm ein Päckchen heraus und legte es Una auf den Schoß.

Vorsichtig entfernte Una das Geschenkpapier und hielt ein mittelgroßes Fernglas in Händen. »Danke, Mum.«

»Danke nicht mir, sondern Ken, das war seine Idee. Er hat im Internet etwas über Leute gelesen, die in der Sta