Mein Weg zum bewussten Familienleben
Die große Krise
Von meiner ersten großen Familienkrise habe ich ja bereits erzählt. Einige Jahre später stürzte ich in ein noch tieferes Loch, und der Weg aus dieser Tiefe führte mich zu all den Erkenntnissen, die ich in diesem Buch mit dir teilen darf.
Nach der Krise mit meinem Mannkündigte ich den Teilzeitjob in der Agentur und suchte beruflich nach neuen Herausforderungen. Eine gute Freundin, die ich von einem Coaching aus meiner Konzernzeit kannte, motivierte mich, an einer Coachingausbildung teilzunehmen. Das kam wie gerufen. So absolvierte ich eine zertifizierte Ausbildung zum Business-Coach und fand damit einen Bereich, der mir wirklich Spaß machte: die persönliche Arbeit mit Menschen und ihren Herausforderungen.
In den nächsten Jahren arbeitete ich als Coach, aber auch als Trainerin und Referentin in Seminaren, vor allem zu den Themen Zeitmanagement, Online-Marketing und Projektmanagement. Ich war für Seminare oder Coachings oft in ganz Deutschland unterwegs, aber die anderen Tage hatte ich frei. Es war eine tolle Lösung für mich und ich hatte insgesamt mit meinem Mann und meiner Tochter eine wunderschöne Zeit.
Dann kam im Dezember 2011 unser erster Sohn auf die Welt. Mein Mann und ich hatten sehr lange auf ein zweites Kind gewartet und uns schließlich für medizinische Unterstützung entschieden. Es war also ein mühsamer Weg gewesen, die Freude über die Schwangerschaft und Geburt war entsprechend groß, auch wenn nicht alles glatt lief. Aber schließlich hatte ich dieses wunderbare Baby im Arm und ich blickte optimistisch in die Zukunft.
Es folgte das bisher schwerste Jahr meines Lebens.
Im März bekam mein Vater vollkommen überraschend eine Krebs-Diagnose. Es hieß, er hätte nur noch wenige Wochen zu leben, wir sollten uns bald verabschieden. Es wurden vier traurige Monate, bis er dann gehen konnte. Am Ende war es eine Erlösung, aber ich stand unter Schock.
Meine Eltern haben mir eine wunderbare Kindheit ermöglicht, mein Vater war immer mein sicherer Hafen gewesen. Der Verlust zog mir buchstäblich den Boden unter den Füßen weg. Aber ich konnte mich diesem Gefühl nicht stellen. Im Mai hatten wir erfahren, dass ich wieder schwanger war. Unser Sohn war da gerade erst fünf Monate alt, und es gab bei ihm medizinische Herausforderungen zu begleiten, auf die ich nachher noch zu sprechen komme. Auch ich war rein körperlich noch gar nicht für eine neue Schwangerschaft bereit. Es war eindeutig eine Risikoschwangerschaft – so kurz nach einem Notkaiserschnitt.
Aber wir freuten uns auch sehr, denn wir hatten uns immer drei Kinder gewünscht und dieses Baby war also wirklich eine tolle und absolut gewollte Überraschung. Ich sage immer, dass wir zwei zum Preis von einem bekommen haben.
Währenddessen versuchte ich mich bestmöglich um meine trauernde Mutter zu kümmern, die 600 Kilometer entfernt lebte, und gleichzeitig um die Abwicklung vieler anstehender Formalitäten, zunächst in Bezug auf die Krankheit meines Vaters und später nach seinem Tod.
Tatsächlich funktionierte ich in dieser Zeit einfach. Irgendwie schaffte ich auch jeden Tag. Mein Mann war für mich da, ein Fels in der Brandung. Und meine Tochter, die gerade in die Schule gekommen und stolze große Schwester war, blieb zum Glück auch in dieser Zeit der Sonnenschein, der sie immer schon war.
Ich organisierte, machte, kümmerte mich um die Kinder und lenkte mich in Momenten des Alleinseins mit Fernsehen ab (kennst du »Shopping Queen«? Ich habe damals