Kapitel 1
Der heutige Tag war der allerschlimmste meines Lebens. Na ja, abgesehen von dem, an dem ich meine Eltern bei einem Hausbrand verloren hatte, als ich erst sechs war. Allerdings habe ich keine Erinnerungen an diese Nacht und auch nicht allzu viele an meine Kindheit, bevor ich vor einundzwanzig Jahren von meiner Pflegemom aufgenommen wurde.
Es begann damit, dass ich mir schon morgens eine Tasse brühend heißen Kaffees über meine einzige saubere Uniform schüttete, weshalb ich die schmuddelige vom Abend zuvor tragen musste, die ich noch nicht gewaschen hatte. So hatte ich den ganzen Tag über das Gefühl, nach fettigen Hamburgern und Schweiß zu riechen.
In meiner Mittagspause trennte sich dann mein Freund am Telefon von mir – wenn ich ihn überhaupt so nennen durfte, denn eigentlich war es eine klassische On-off-Beziehung. Im Hintergrund hörte ich dabei das Kichern einer Frau. Die neueste seiner zahllosen Eroberungen. Ich vermutete bereits länger, dass er mich betrog, aber aus irgendeinem Grund hatte ich mir trotzdem eingebildet, dass das zwischen uns mehr war. Vielleicht, da ich es leid war, eine Affäre nach der nächsten zu haben. Und ganz ehrlich: Der Sex mit ihm war einfach toll. Was das betraf, konnte ich echt nicht klagen. Jetzt fragte ich mich jedoch, ob er nur deswegen so gut im Bett war, weil er mit jeder Frau schlief, die ihn im Job anbaggerte. Das Ätzendste aber war, dass ich Trey morgen Abend bei der Arbeit sehen würde. Und natürlich würde er ein unschuldiges Lächeln aufsetzen und mich fragen, wie es mir ging. Er würde weiter mit mir spielen, während er mit anderen Frauen herummachte.
Ich biss die Zähne zusammen und sah durch die Windschutzscheibe auf die weite, dunkle Straße hinaus, während ich mich daran erinnerte, was mein beschissener Chef in dem Diner, in dem ich kellnerte, vor einer halben Stunde zu mir gesagt hatte und wodurch mein ohnehin schon blöder Tag zur Vollkatastrophe geworden war.
»Weißt du, Simone, wenn du einfach bloß ein artiges Mädchen wärst und mir gäbst, was ich will, würde ich dafür sorgen, dass du bei der nächsten Gehaltsabrechnung fünfzig Cent mehr bekommst. Wenn du brav bist, sogar noch mehr.«
Natürlich hatte er zuvor seine Hand unter den vorgeschriebenen blassrosa Uniformrock gleiten lassen und meinen Hintern begrapscht. Als ich mich umgewandt und dem schmierigen Typen eine Ohrfeige verpasst hatte, hatte er angekündigt,mich beim Besitzer des Diners der sexuellen Belästigung bezichtigen zu wollen. Dabei war es genau anders herum gewesen. Dieser Widerling stürzte sich auf alles, was nicht bei drei auf dem Baum war, worunter nicht nur die anderen Kellnerinnen zu leiden hatten. Er schreckte auch vor den weiblichen Gästen nicht zurück. Die merkwürdigerweise nie wieder kamen, um sich seine Zudringlichkeit nochmals gefallen zu lassen.
Nachdem ich ihm eine geschmiert hatte, riss ich mir die Schürze vom Leib, warf sie ihm ins Gesicht und schrie: »Ich kündige!«, während er mich bloß schockiert anstarrte.
Wenigstensdas hatte sich gut angefühlt.
Zumindest zu diesem Zeitpunkt.
Jetzt hatte ich einen weiteren lausig bezahlten Nebenjob verloren, obwohl ich das Geld dringend brauchte. Anders konnte ich mir mein Studium, das ich online am Community College absolvierte, nicht leisten. Meine Haupteinnahmequelle war meine Stelle als Barkeeperin, mit der ich Miete, Nebenkosten und Benzin finanzierte. Sonntags half ich im örtli