Prolog
»OY-ICNO from Tower Rønne.«
»OY-ICNO, go ahead, Torben!«
»Willkommen zurück in Rønne, Mikal, schöne Landung, trotz des Nebels. Cleared to taxi to Hangar 2, own discretion.«
»Danke dir, Torben. Cleared to Hangar 2, own discretion. Gute Nacht!«
Torben Mikkelsen nickte zufrieden. Die kleine private Propellermaschine seines Fluglotsenkollegen, der auch selbst leidenschaftlich gern flog, war trotz des Nebels, der heute über demLufthavn Rønne hing, wie erwartet sicher gelandet.
Torben nahm einen großen Schluck Kaffee, dann sah er auf die Digitaluhr, die über einer der riesigen Glasscheiben des Towers hing: vierzig Minuten vor zehn. Er hatte an diesem Abend noch zwei Maschinen auf dem Zettel, nicht viel los also. Eine weitere Privatmaschine, die aus Schweden kam, und noch den letzten von insgesamt sechs Linienfliegern aus Kopenhagen, mittels derer Bornholm täglich eng an die dänische Hauptstadt angebunden war. Danach hatte er nur noch Bereitschaftsdienst und musste gegebenenfalls erreichbar sein, falls eine Maschine außerplanmäßig landete. Was allerdings in den sieben Jahren, in denen er inzwischen hier in der Luftaufsicht des einzigen Verkehrs- und Militärflughafens der Insel arbeitete, so gut wie nie vorgekommen war.
Dennoch würde heute womöglich kein ganz entspannter Abend werden, denn die Wetterprognose verhieß ständig wechselnde und damit schwierige Verhältnisse: Der dichte Nebel über Rønne sollte schon bald von heftigen Sturmböen abgelöst werden, die die Landung der beiden noch ausstehenden Maschinen deutlich erschweren konnten. Lästig, aber an sich war solches Wetter gar nicht ungewöhnlich für Ende April. Erst in den nächsten Wochen würde sich wieder dauerhaft jene stabile Hochdrucklage zeigen, für die Bornholm berühmt und wegen der die Insel bei Touristen so beliebt war.
Torben fröstelte und nahm einen weiteren Schluck aus seiner Tasse.
Die Maschine aus Kopenhagen war spät dran heute, denn die Wetterkapriolen hatten Torben veranlasst, die Landebahn für eine knappe Stunde zu schließen. Bei derart heftigen Böen, wie es sie am frühen Abend gegeben hatte, konnte niemand mehr für die Stabilität eines Flugzeugs garantieren. Mit einem Auge hatte er die gesamte Zeit über seine Monitore im Blick und lauschte nebenbei dem Funkgerät.
Er erschrak ein wenig, als er hörte, wie hinter ihm die Tür aufging. Er wandte sich um und erkannte die Silhouette von Lars Hansen, dem Chef der Flughafenfeuerwehr, mit dem Torben schon seit seiner Schulzeit eng befreundet war.
»Hey, Captain!«, grüßte Lars. »Ganz schöne Suppe heute, was?« Er deutete aus dem Fenster auf das spärlich beleuchtete Rollfeld.
Torben hob eine Hand zum Gruß und nickte. »Stimmt, Commander. Dabei war vorher noch heftiger Wind. Na ja, so ist es eben auf unserer vielgerühmten Sonneninsel manchmal. Und du so? Dienst heute Abend?«
»Du sagst es. Wär’s okay, wenn ich nachher ein, zwei Fahrten übers Vorfeld mache? Ich muss dasBiest schließlich mal wieder bewegen.«
Torben lachte.Biest war Lars’ Spitzname für seinen größten, modernsten und schnellsten Löschzug. »Klar, sowieso nicht mehr viel los heute«, erklärte er.
»Es gab Verzögerungen, hab ich gehört?«
»Ja, vorher die wechselnden Winde, jetzt der Nebel, und später wird’s dann voraussichtlich noch ma