Das Berufsleben einer Sekretärin
Mangels finanzieller Unabhängigkeit und eines gut situierten Ehemannes hielt ich es notgedrungen bis zum Alter von 29 Jahren im Elternhaus aus. Mit meiner Mutter hatte ich immer ein liebevolles Verhältnis. Wir waren mehr wie Schwestern. Sie war großzügig und hörte mir geduldig zu oder klagte mir ihr Leid, wenn sie frustriert war. Manchmal sagte sie: „Wenn du doch nur einen netten jungen Mann heiraten würdest. Ich hätte so gern Enkelkinder von dir. Ihr könntet bei uns im Haus wohnen.“ Doch das war für mich absolut undenkbar. Ich sehnte mich nach ferneren Gefilden. Langsam wurde ich jedoch immer deprimierter und lethargischer. Ich sah schon meine Tage bei der Völklinger Hütte enden. Dort wäre ich auf die Dauer eingegangen wie eine Primel ohne Wasser. Wenn ich morgens aus dem Zug stieg, suchte ich mir meinen Weg fast blind bis zum Betriebsbüro. Die Hochöfen bliesen völlig filterfrei den Dreck in die Luft und der ekelhafte graue feine Sand setzte sich in den Augen, Haaren und allen Poren fest. Ich litt sehr unter Akne. Man konnte kaum atmen.
Abends, wenn ich nach Hause zurückkehrte, sagte meine Mutter: „Du stinkst ja fürchterlich!“ In meinem Kohlenwertstoffbetrieb wurden aus Kohle alle möglichen ungesunden, übel riechenden Produkte hergestellt. Dazu gehörten Pech, Teer, Benzol, Naphthalin und so weiter. Gleich neben dem Bür