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»Wer findet mit zehn schon seine große Liebe? Ich meine, wo bleibt da der Spaß?«
Sweet Home Alabama – Liebe auf Umwegen
Der Tag begann wie jeder andere.
Mr Fitzpervert hatte ein Haarknäuel in meinem Pantoffel hinterlassen, ich hatte mir das Ohrläppchen am Glätteisen verbrannt, und als ich die Tür öffnete, um zur Schule aufzubrechen, erwischte ich meinen Nachbarn und Erzfeind dabei, wie er ausgestreckt auf der Motorhaube meines Autos lag.
»Hey!« Ich schob meine Sonnenbrille hoch, zog die Haustür hinter mir zu und bemühte mich, meine hübschen Blümchen-Ballerinas nicht zu ruinieren, während ich wütend in seine Richtung rannte. »Runter von meinem Wagen!«
Wes sprang von der Motorhaube und hob seine Hände in einer »Ich bin unschuldig«-Geste, obwohl sein Grinsen verriet, dass er alles andere war als das. Hinzu kam, dass ich ihn seit dem Kindergarten kannte, und dieser Junge war noch nie unschuldig gewesen.
»Was hast du da in der Hand?«
»Nichts.« Er hielt besagte Hand hinter seinem Rücken verborgen. Obwohl er mittlerweile sehr männlich und auch durchaus attraktiv aussah, war Wes in meinen Augen immer noch der gleiche unreife Junge, der »aus Versehen« den Rosenbusch meiner Mom mit einem Böller niedergebrannt hatte.
»Du bist so was von paranoid«, sagte er.
Ich blieb vor ihm stehen und sah aus schmalen Augen zu ihm hoch. Wes hatte so ein typisches Bad-Boy-Gesicht, und seine dunklen Augen – eingerahmt von unfair langen Wimpern – sprachen Bände, selbst wenn er schwieg.
Seine hochgezogene Braue verriet mir, für wie lächerlich er mich hielt. Von unseren vielen wenig erfreulichen Begegnungen wusste ich, dass er mich gerade genau taxierte und wir uns gleich wegen seines neuesten Streiches in die Haare kriegen würden. Und wenn seine braunen Augen derart leuchteten und so provokant aufblitzten wie jetzt, wusste ich, dass ich geliefert war. Denn Bad-Boy-Wes gewann immer.
Ich pikte ihm mit dem Finger in die Brust. »Was hast du mit meinem Auto gemacht?«
»Streng genommen hab ich gar nichts mit deinem Auto gemacht.«
»Streng genommen?«
»Wow! Pass auf, was du sagst, Buxbaum.«
Ich verdrehte die Augen, was ihn zu einem provokanten Grinsen veranlasste. »Hat mal wieder Spaß gemacht, und ich liebe übrigens deine Omaschuhe, aber ich muss jetzt los.«
»Wes …«
Er drehte sich um und ging, als hätte ich nichts gesagt. Schlenderte einfach so mit seiner entspannten, übertrieben selbstbewussten Art auf sein Haus zu. Als er die Veranda erreicht hatte, öffnete er die Tür und rief mir über die Schulter zu: »Schönen Tag noch, Liz!«
Das konnte nichts Gutes bedeuten.
Denn ganz bestimmt wünschte er mirkeinen schönen Tag, so war er nicht. Ich schaute auf mein Auto hinab und hatte mit einem Mal Angst, auch nur die Tür zu öffnen.
Es sei erwähnt, dass Wes Bennett und ich seit Jahren einen schonungslosen Krieg um den einzigen freien Parkplatz am Ende unserer Straße führten. Fü