: Claudia Schaumann
: Sommer ist meine Lieblingsfarbe Roman
: Goldmann
: 9783641309398
: 1
: CHF 9.90
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 464
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was passiert, wenn du alles hast, was du immer wolltest? Und trotzdem nicht glücklich bist?
Ava ist 43 und hat alles, wovon sie immer geträumt hat: einen tollen Mann, drei bezaubernde Kinder, drei Hühner und ein wunderschönes Haus in Hamburg Vierlanden, gleich hinter dem Deich. Dennoch fragt sie sich in letzter Zeit immer öfter, ob das schon alles war und ob sie wirklich glücklich ist. Oder ist sie irgendwo falsch abgebogen? Als sie völlig unerwartet eine Nachricht von ihrem Ex-Freund Pinto erhält, wirbelt das ihren Alltag ganz schön durcheinander. Ava entdeckt das Kribbeln im Bauch und ihre Leidenschaft für Farbe und alte Möbel wieder. Und verliebt sich noch einmal ganz neu. In sich selbst - und in ihren Traummann ...

Das humorvoll-turbulente Romandebüt der SPIEGEL-Bestsellerautorin und erfolgreichen Bloggerin und Instagrammerin ('wasfuermich').

'Ei sehnsuchtsvoll-schöner Roman über ungerade Lebens- und Liebeswege - frisch vom Deich direkt ins Herz!' Karla Paul

'Die Gefühlsachterbahn einer Frau, die vermeintlich alles im Leben hat und trotzdem mehr will - ich habe so mit Ava mitgefiebert!' Alexa von Heyden

Claudia Schaumann, geboren 1977, arbeitete nach ihrem Volontariat als Redakteurin bei großen Tageszeitungen und Magazinen. In ihrer zweiten Elternzeit gründete sie den Blog WAS FÜR MICH, der inzwischen zu den größten deutschen Blogmagazinen gehört. Sie hat vier Kinder, betreibt neben dem Blog einen sehr erfolgreichen Instagram-Kanal und schreibt Bücher für Kinder und Erwachsene.

Kapitel 1


Ava

Alles begann mit einer WhatsApp-Nachricht. Abends, müde, auf der Couch. Ich war sogar zu kaputt gewesen, um mir ein Glas von meinem Lieblings-Sauvignon-Blanc zu holen. Die Nachricht kam von einer unbekannten Nummer, ich wollte sie erst gar nicht öffnen. Wollte gar nicht wissen, wer da schon wieder etwas von mir wollte. Dasser es war, konnte ich ja nicht ahnen. Bis dahin war es ein stinknormaler Montag gewesen.

Drei Stunden zuvor hatte ich Len zum Tischdecken verdonnert. Im goldgelben Abendlicht stand mein Sohn mit blankem Oberkörper vor der Küchenvitrine und balancierte einen Stapel blau-weiße Royal-Copenhagen-Teller wie seinen Fußball auf der flachen Hand.

»Isst Papa mit?«, wollte er wissen.

Ich schnappte nach Luft.

Bevor ich etwas sagen konnte, beantwortete er seine Frage seufzend selbst. »Natürlich nicht.«

Klirrend ließ Len einen der Teller wieder in der weißen Vitrine verschwinden. Ich stand an der Spüle, stopfte tropfnasse Salatblätter in die Schleuder und zog unnötig heftig am Band, damit sie sich drehte. Ich war so müde. Überall Krümel. Kratzer auf der Eichenarbeitsplatte. Dreckige Kindersocken auf dem Boden. Mein Geduldsfaden war kurz davor zu reißen – genau wie der Seilzug der Salatschleuder.

Es rumste. Erschrocken schaute ich auf und sah, dass Len die übrigen Teller wie Frisbeescheiben auf die hellgraue Leinentischdecke warf. Dann riss er die Besteckschublade mit so viel Schwung auf, dass ich fürchtete, er würde sie gleich in der Hand halten. Oder der Schrank könnte ihn erschlagen. Mein Mittlerer bestand neuerdings nur noch aus Muskeln. Der sportlichste meiner Söhne war neun Jahre alt, gerade zwei Stunden beim Training gewesen und hatte noch immer Energie ohne Ende. Ich war 43, hatte den ganzen Tag gefühlt gar nichts gemacht, schon gar keinen Sport, und war todmüde.

Seit einer Ewigkeit wollte ich endlich mal wieder laufen gehen. Vielleicht würde ich mich anschließend besser fühlen. Aber der Alltag war auch ohne Joggen schon anstrengend genug.

Len wollte Fußballstar werden, da war er sich absolut sicher. Ständig erzählte er mir, was er sich mit seinen verdienten Millionen alles kaufen würde. Und er liebte es, sein Leben wie ein Sportreporter zu kommentieren. Manchmal auch meins.

»Ava Altmann, 43 Jahre, befindet sich in der heißen Endphase dieses Abendbrotmatches«, rief er aufgeregt. Die honigfarbenen Sommersprossen auf seiner Stupsnase leuchteten in der Abendsonne. »Gerade steckt sie in einem gefährlichen Zweikampf mit einer Tomate. Wer wird als Gewinner aus diesem Duell hervorgehen …?«

Ich schaute ihn träge seufzend an. Len imitierte perfekt den aufgedrehten Tonfall eines Reporters. Obwohl es in meinem Kopf dröhnte, musste ich lachen. Sein Grinsen mit den hübschen Grübchen war einfach ansteckend.

Ich ging zum Kühlschrank und holte noch ein paar weitere Tomaten aus dem Gemüsefach. Weil es heute Mittag nur für Fertigmilchreis gereicht hatte, sollte es wenigstens zum Abendessen ein bisschen was Gesundes geben. Aber kaum schnitt ich in die erste Tomate, spritzte sie ihr Innenleben an die Wand.

»Ein fieses Foul von Ava Altmann«, kommentierte mein Sohn. »Ihre Gegnerin liegt verletzt am Boden. Wird Altmann dafür vom Platz fliegen? Zumindest eine rote Tomatenkarte sollte ihr sicher sein.« Er lachte laut über seinen Witz.

»Du fliegst gleich – und zwar hier raus!«, drohte ich