Prolog
Gegenwart …
Tag des Banküberfalls
Der berühmte Singer/Songwriter Marc Anthony sagte einmal: »Wenn man tut, was man liebt, muss man keinen einzigen Tag im Leben arbeiten.« Offenbar hatte dieser weise Mann keine Ahnung vom Berufsalltag einer Lehrerin. Die zu allem Überfluss zweihundert Horrorteenager in den unterschiedlichsten Hormonstadien betreuen musste. Sie waren entweder Fluch oder Segen meines Daseins, je nach Tagesform. Heute eher Ersteres. Nachdem ich ein paar widerspenstigen Schülern noch nachmittägliches Nachsitzen aufgebrummt hatte – ihre Leistungen hätten eigentlich viel besser sein können, wenn sich die Eltern nur ein wenig mehr um sie gekümmert hätten –, war ich nun endlich auf dem Weg ins Wochenende, an dem ich mich mit meinen Pflegeschwestern treffen würde, um mit ihnen gemeinsam zu lachen und mich von ihrer Liebe wärmen zu lassen. Doch vorher musste ich noch was erledigen.
Ich freute mich, dass ich einen Parkplatz ganz in der Nähe der Liberty National Bank im Herzen Chicagos gefunden hatte. Dann schnappte ich mir meine Tasche und stieg aus meinem sportlichen knallblauen Chevy Blazer und drückte auf den Schließmechanismus meines Autoschlüssels. Einen Moment lang hielt ich inne, um meinenSUV zu bewundern. Er war schlank und schnittig, und ich hatte ein Jahr lang jeden Penny zweimal umgedreht, um ihn mir von meinem Lehrerinnengehalt überhaupt leisten zu können. Glücklicherweise war ich mit meinen achtundzwanzig Jahren so gut wie unkündbar. Ich musste bloß noch drei Jahre als Spanischlehrerin an der Franklin D. Roosevelt Highschool ausharren, dann konnte ich mich zurücklehnen.
Auf dem Weg ins Bankgebäude kramte ich mit gesenktem Kopf in meiner Tasche nach meiner Geldbörse und prallte plötzlich gegen eine Mauer. Beziehungsweise gegen einen riesigen, grinsenden Dickschädel von einem Mann, den ich nur allzu gut kannte.
»Verdammt, Omar! Verfolgst du mich etwa?« Vorwurfsvoll deutete ich mit dem Finger auf ihn und musterte ihn mit zusammengekniffenen Augen.
Der heiße Typ grinste bloß, was mich wie immer stocksauer und gleichzeitig ein bisschenmal de la cabeza – etwas wuschig – machte.
»Es kann schon mal vorkommen, dass zwei Menschen, die in derselben Stadt wohnen, etwas in derselben Bank zu erledigen haben,chica.« Er hielt etwas hoch, das wie eine mit einem Reißverschluss verschlossene, prall gefüllte Geldtasche aussah. Vermutlich war sie voller Banknoten. Merkwürdig! Warum hatte er so viel Bargeld dabei?
»Du hast meine Frage nicht beantwortet. Verfolgst du mich?«, wiederholte ich.
Er presste die Lippen aufeinander. »No,mi lirio. Ich verfolge dich nicht. Für mich ist es Schicksal, dass wir gleichzeitig hier auftauchen. Meinst du nicht auch?«
Dass er mich »seine Lilie« nannte, ließ mich erschauern vor Erregung. Ich schluckte, um diese unwillkürliche Reaktion abzuschütteln. Seit ich diesen muskulösen mexikanisch-amerikanischen Mann vor ein paar Wochen zum ersten Mal gesehen hatte, war ich in ihn verschossen.
Omar Alvarado.
Er war ein richtiger Muskelprotz, der meine eins sechzig um mehr als Haupteslänge überragte. Offensichtlich trieb er jede Menge Sport. Momentan trug er ein perfekt sitzendes Pa