: Günter Ramsauer, Michael Moravek, Heino Walter, Martin Feucht, Christian Anger
: Pop steht Kopf Songs& Sounds in kulturellen Kontexten
: epubli
: 9783758422041
: 6
: CHF 2.70
:
: Musik, Film, Theater
: German
: 288
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Musik in einen kulturellen und/oder persönlichen Kontext zu stellen, war die einzige Vorgabe an die Autoren dieser Anthologie. Ihr Titel Pop steht Kopf ist lediglich eine Andeutung, wie unterschiedlich die Autoren mit ihren eigenwilligen Perspektiven an das Thema herangingen. Sachverhalte und Erzählweisen werden nicht nur auf den Kopf gestellt, vielmehr werden sie aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. So bewegt Heino Walter die geschichtsträchtigen Wellen des Pop und verquickt sie letztlich mit dem brisanten, hochaktuellen Thema Künstliche Intelligenz. Zudem beschwört er eine Vision herauf und dies alles in seiner eleganten, wortschatzreichen Sprache. Martin Feuchts autofiktionale Erzählung zeigt Kleinstadt-Rebellen der 68er in Interaktion mit Nazi-Kunst und der Gesellschaft, wobei das Geschehen bis in die Gegenwart reicht. Eine den Leser intellektuell herausfordernde Lektüre, bei der einem schwindelig werden kann. Reale, dennoch subtil gespenstische Begegnungen mit Bob Dylan, den Waterboys und U2 inszeniert Michael Moravek, dessen Sprache Suchtpotenzial generiert. Gleiches gilt für Christian Anger, der persönliche und musikalische Innenansichten präsentiert, die einem Gänsehaut bereiten. Günter Ramsauer verknüpft Wolfsgeheul, Schreie, Schüsse, Raubtierlaute und einiges mehr mit Film, bildender Kunst, persönlichen Erlebnissen und sonst noch was.

Günter Ramsauer: Gedicht Veröffentlichung im deutschen Musikmagazin 'Sounds' Nr. 140 vom Oktober 1980. Im Punk-Fanzine 'Slit' Musikrezensionen (1979/80). Mitte der 80er Gedicht Veröffentlichungen in 'Kopfzerschmettern, Fanzine für Hardcore-Poesie und Metall-Lyrik'. Von ca. 1986-1988 englische Songtexte für die Ulmer Band Heartattack& Vine. In den 80ern und 90ern Gedicht- und Prosaveröffentlichungen bei 'Interactions' und im Honigfisch Verlag. Von 2004 bis 2009 Musikartikel für das renommierte Hamburger Indigo Magazin 'Notes', das 2009 eingestellt wurde. 2004 erschien 'Das Insel-Alben-Buch, 100 Highlights der Pop-Musik-Kultur' im Ibidem Verlag, Edition Noema. 2014 ist das Buch SONGS TO REMEMBER Vol. 1 erschienen. 2022 wurde SONGS TO REMEMBER Vol. 2 veröffentlicht.

Wellenbewegungen: über Einflüsse, Referenzen und Retrospektiven in der Pop-Musik


 

Prolog:

„Wir stehlen, wir sind die Raubritter desRock `n` Roll“, gab Donald Fagen - neben Walter Becker einer der beiden Köpfe hinter Steely Dan - offen zu. Sie raubten regelgerecht, unter Angabe der Quelle für „Rikki Don`t Lose That Number“, das 1974 auf dem Album „Pretzel Logic“ erschien. Für ihren Hit benutzten sie die Eingangsakkorde von „Song For My Father“ des Blue Note-Jazz-Pianisten Horace Silver aus 1963. Aber einmal „vergaßen“ Becker& Fagen, den Urheber zu nennen. Nämlich bei „Gaucho“ aus 1980, wo sie als Grundlage das 1974er „Long As You Know You`re Living Yours“ von Keith Jarrett anzapften.1 Der Jazz-Pianist verklagte daraufhin Steely Dan, bekam Recht und muss seitdem als Co-Autor genannt werden.

Bei der Herstellung von Gütern gibt es Strafen für Nachahmer, wenn sie gegen das Urheberrecht verstoßen. Denn durch eine Kopie ohne Lizenzvertrag werden Ideengeber und Produzenten um den Ertrag aus ihren Leistungen betrogen. In der Musik ist das Recht an der Komposition zwar auch als immaterielles Gut gesetzlich geschützt, aber das unrechtmäßige Beziehen auf Vorbilder kann häufig nur schwer nachgewiesen werden.2 Dennoch mussten sich Gerichte nicht selten mit dem Diebstahl von geistigem Eigentum beschäftigen. Ein populärer Fall war dabei das Verfahren der Girl-Group Chiffons gegen George Harrison. Es wurde behauptet, die Melodie von Harrisons „My Sweet Lord“ von 1970 wäre von „He`s So Fine“ aus 1963 abgeschaut worden. Das Gericht befand George Harrison für schuldig und man einigte sich in einem Vergleich auf die Formulierung, es sei ein „unabsichtliches Plagiat“ entstanden. Die Justiz konnte zwar eine große Ähnlichkeit zwischen den beiden Songs feststellen, aber Harrison wurde keine absichtliche Übernahme unterstellt. Der Richter ging davon aus, dass der Chiffons-Song wohl in seinem Unterbewusstsein vorhanden war, sich das Bewusstsein aber nicht daran erinnern konnte. George musste daraufhin etwa 1,6 Millionen US-Dollar Schadenersatz zahlen.3

Wegen der Entleihung von Songfragmenten waren Led Zeppelin sozusagen Dauergäste vor Gericht. Bei dem einen oder anderen ihrer frühen Stücke konnte ermittelt werden, dass sich die Liebe zu Blues-Klassikern zu tief in die Großhirnrinde der Musiker eingebrannt hatte und so bewusst oder unbewusst Einzug in Aufzeichnungen fand. An eine direkte Listung der Ursprungsautoren dachten Jimmy Page und Robert Plant damals nicht. Die Blues-Veteranen oder ihre Nachkommen mussten erst über Anwälte darauf hinweisen, dass es bei der Nennung der Komponisten bei manchen Songs nicht mit rechten Dingen zugegangen war. Das betraf zum Beispiel auch „Whole Lotta Love“, wo Zitate und Gitarren-Riffs aus „You Need Love“ verwendet wurden. Den Track hatte Willie Dixon für Muddy Waters geschrieben, der ihn 1962 aufnahm. Am Ende gewann die Tochter von Willie Dixon den Streit nach zweijährigen Verhandlungen im Jahr 1987. Es kam zu einer monetären Entschädigung und seitdem muss ihr Vater auch als Verfasser genannt werden. Robert Plant zitiert gerne mal schon verwendete Textpassagen. Für „Whole Lotta Love“ hat er die Zeile„Shake for me girl / I wanna be your backdoor man“(Sinngemäße Übersetzung: „Beweg dich für mich Mädchen / Ich möchte dein Liebhaber sein“) aus „Backdoor Man“ von Howlin` Wolf verwendet. Das Lied wurde übrigens auch von Willie Dixon geschrieben. Die übernommenen Segmente dauerten ganze 26 Sekunden, die den uneinsichtigen Blues-Rocker teuer zu stehen kamen. Aber wie bereits erwähnt: Led Zeppelin wurden noch öfter angeklagt. So basiert „The Lemon Song“ von „Led Zeppelin II“ (1969) auf „Killing Floor“ von Howlin` Wolf. Auch für diese „Gedankenübertragung“ wurde Geld fällig und die Urheber-Liste musste angepasst werden. Aber nicht immer konnten Page& Plant mangelnde Eigeninitiative nachgewiesen werden: Die Erben von Randy California - seines Zeichens Sänger, Gitarrist und Komponist der West-Coast-Band Spirit - versuchten auch, die Led Zeppelin-Chefs zur Kasse zu bitten. Sie behaupteten, dass das 1967 verfasste Stück „Taurus“ die Grundlage zu den Gitarren-Linien für „Stairway To Heaven“ gelegt hätte. Es konnte aber keine signifikante Ähnlichkeit nachgewiesen werden und deshalb gingen die Nachlassverwalter leer aus. Laut Ermittlungs-Experten handelt es sich bei diesen Gemeinsamkeiten lediglich um die Verwendung von sogenannten „Line Clichés“, also üblichen Kompositionsschemen. Der rein subjektive Eindruck vermittelt trotz alledem recht starke Übereinstimmungen. Aber wo ist die Grenze zur bewussten Kopie zu se