Alyssa Westensee
Ewigwinter
Der eisige Wind warf sich mit ganzer Macht gegen die dicke Holztür und riss sie aus Eiras Hand, sodass sie gegen die Wand schlug. Wind und Schnee drangen in das Kaminzimmer, bissen mit scharfen, kalten Zähnen um sich. Die junge Frau kämpfte gegen den Schneesturm an, der mit ihr das Haus betreten wollte.
Der Lärm riss Großmutter Rivka aus ihren Träumen und sie schreckte aus dem Sessel vor dem Kamin hoch. Verwundert erblickte sie ihre Enkelin und den ungebetenen Gast mit der Tür ringen. Auch Mutter Nanette war aus der Küche geeilt, hielt den Kochlöffel noch in der Hand.
Der Schneesturm stemmte sich gegen die Tür, wollte sich nicht aussperren lassen. Dennoch konnte Eira Schnee und Eis Einhalt gebieten und sie wieder verschließen. Nun schlug der Sturm seine frostigen Fänge und Klauen wütend in das Holz, aus dem das Haus gebaut war, erzürnt über seine Niederlage.
»Bist du in Ordnung, mein Schatz?«, fragte Nanette besorgt.
Zitternd legte Eira ihre Handschuhe und den Wintermantel ab, hängte sie auf einen Haken neben der Haustür und stellte ihre Stiefel auf eine Matte. Ihre Kleider waren durchnässt. Der Schneesturm hatte so lange an ihnen gezerrt, bis er schließlich auch die unterste Schicht ihrer Kleidung durchdrungen hatte. Der frostige Kuss des Windes hatte ihrem Gesicht jegliches Gefühl genommen, es war weiß wie der Schnee selbst, ihre sonst