: Anton Tschechow
: Joerg K. Sommermeyer, Orlando Syrg
: Anton Tschechows Ausgewählte Prosa II Zwei Schauspiele: Die Möwe, Onkel Wanja
: Books on Demand
: 9783758358371
: 1
: CHF 7.40
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: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 136
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Einsamkeit, Bitternis, Verlassenheit, Leid, Indolenz des Milieus, kaputte Beziehungen, Pseudoidealismus, elende Liebe, Lebensangst, existenzielle Langeweile, banale Konversation innerhalb öder Konventionen, Erschöpfung, aussichtslose Fluchten; sinnfremd, sinnlos, ausweglos, fruchtlos! Nach den Meistererzählungen Anton Tschechows (Orlando Syrg Taschenbuch, OrSyTa 12021) bringt dieser Band zwei seiner berühmten Meisterdramen, Spitzenwerke der Weltliteratur, nach wie vor mitreißend und uneingeschränkt aktuell.

Anton Pawlowitsch Tschechow, geb. am 29. Januar 1860 in Taganrog (Russland). Novellist und Dramatiker. Vater Kaufmann. Gymnasium Taganrog, 1879-1884 Studium der Medizin in Moskau. 1884 Ausbruch einer Lungenkrankheit. Kurzzeitige Ausübung des Arztberufs, danach vorwiegend literarische Tätigkeit. Zunächst Humoresken und Anekdoten für Zeitungen und Zeitschriften, später viele ernste und tragische Erzählungen sowie Kurzgeschichten. 1890 Reise zur Strafkolonie auf der Insel Sachalin. 1892-1897 auf seinem Landgut Melichovo bei Moskau, seit 1898 vorwiegend in Jalta auf der Krim. Reisen nach Westeuropa. Die Möwe, 1895. Onkel Wanja, 1896. Drei Schwestern, 1901. Heirat mit der Schauspielerin Olga Knipper. Der Kirschgarten, 1903. Tschechow stirbt am 15. Juli 1904 im Kurort Badenweiler (Markgräflerland; 30 km südlich von Freiburg).

Erster Aufzug

Park auf dem Landgut Ssorins. Eine breite Allee, die vom Zuschauer aus in die Tiefe des Parkes zu einem See führt und durch eine improvisierte Liebhaberbühne so verbaut ist, dass man den See nicht sieht. Links und rechts von dieser Bühne Gebüsch. Ein paar Stühle, ein Tischchen.

Die Sonne ist eben untergegangen Auf der Bühne, hinter dem herabgelassenen Vorhang, Jakow und andere Arbeiter; man hört ihr Husten und ihr Klopfen. Mascha und Medwjedenko kommen von links, von einem Spaziergang.

Medwjedenko: Warum gehen Sie immer in Schwarz?

Mascha: Ich trauere um mein verlorenes Dasein. Ich bin unglücklich.

Medwjedenko: Warum? Nachdenklich. Ich verstehe das nicht ... Sie sind gesund, Ihr Vater ist zwar kein reicher Mann, aber doch nicht unbemittelt. Ich hab's weit schwerer als Sie. Ich bekomme monatlich ganze dreiundzwanzig Rubel Gehalt, wovon noch die Pensionsabzüge abgehen, und dennoch trage ich keine Trauer.

Mascha: Es kommt nicht aufs Geld an. Auch ein Bettler kann glücklich sein.
Medwjedenko: In der Theorie vielleicht, in der Praxis liegt die Sache aber so, dass fünf Personen von den dreiundzwanzig Rubeln leben sollen: ich, meine Mutter, zwei Schwestern und ein Bruder. Man will essen und trinken, man braucht Tee und Zucker, man braucht Tabak - da heißt es sich drehen und winden!

Mascha blickt nach der Bühne: Die Vorstellung wird gleich beginnen.

Medwjedenko: Ja. Die Sarjetschnaja spielt, und das Stück ist von Konstantin Gawrilowitsch. Sie sind ineinander verliebt, und heute werden ihre Seelen sich in dem Streben vereinigen, dasselbe künstlerische Gebilde zu gestalt