: Anton Tschechow
: Joerg K. Sommermeyer, Orlando Syrg
: Anton Tschechows Ausgewählte Prosa III Späte Schauspiele: Drei Schwestern, Der Kirschgarten
: Books on Demand
: 9783758378447
: 1
: CHF 7.40
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 154
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Einsamkeit, Bitternis, Verlassenheit, Leid, Indolenz des Milieus, kaputte Beziehungen, Pseudoidealismus, elende Liebe, Lebensangst, existenzielle Langeweile, banale Konversation innerhalb öder Konventionen, Erschöpfung, aussichtslose Fluchten; sinnfremd, sinnlos, ausweglos, fruchtlos! Nach den Meistererzählungen (Orlando Syrg Taschenbuch, OrSyTa 12021) sowie zwei seiner berühmten Meisterdramen: Die Möwe und Onkel Wanja (Orlando Syrg Taschenbuch, OrSyTa 92023) beschließen diese Auswahledition der Werke Anton Tschechows seine späten Schauspiele: Drei Schwestern und Der Kirschgarten; Spitzenwerke der Weltliteratur, nach wie vor mitreißend und uneingeschränkt aktuell.

Anton Pawlowitsch Tschechow, geb. am 29. Januar 1860 in Taganrog (Russland). Novellist und Dramatiker. Vater Kaufmann. Gymnasium Taganrog, 1879-1884 Studium der Medizin in Moskau. 1884 Ausbruch einer Lungenkrankheit. Kurzzeitige Ausübung des Arztberufs, danach vorwiegend literarische Tätigkeit. Zunächst Humoresken und Anekdoten für Zeitungen und Zeitschriften, später viele ernste und tragische Erzählungen sowie Kurzgeschichten. 1890 Reise zur Strafkolonie auf der Insel Sachalin. 1892-1897 auf seinem Landgut Melichovo bei Moskau, seit 1898 vorwiegend in Jalta auf der Krim. Reisen nach Westeuropa. Die Möwe, 1895. Onkel Wanja, 1896. Drei Schwestern, 1901. Heirat mit der Schauspielerin Olga Knipper. Der Kirschgarten, 1903. Tschechow stirbt am 15. Juli 1904 im Kurort Badenweiler (Markgräflerland; 30 km südlich von Freiburg).

Erster Akt


Im Hause der Prosorows. Wohnzimmer, das durch Säulen vom Saal geschieden ist; draußen ist es heiter, sonnig. Man sieht, wie im Saal der Frühstückstisch gedeckt wird. Olga im blauen Uniformkleid einer Lehrerin am Mädchengymnasium; Mascha im schwarzen Kleid, den Hut auf den Knien, sitzt und liest in einem Buch; Irina im weißen Kleid, steht sinnend da.

OLGA: Heut vor einem Jahre ist der Vater gestorben – gerade an deinem Namenstag, Irina, am fünften Mai. Es war sehr kalt an dem Tag – es schneite sogar. Ich glaubte nicht, dass ich's überleben würde – du lagst ohnmächtig da, wie tot. Und nun ist kaum ein Jahr vergangen – und wir reden davon so gleichgültig, du hast schon dein weißes Kleid an, und dein Gesicht strahlt.Die Uhr schlägt zwölf. Auch damals schlug gerade die Uhr. –Pause. – Ich erinnere mich noch: als sie den Vater hinaustrugen, spielte die Militärkapelle, und auf dem Friedhof wurde geschossen. Merkwürdig übrigens – er war doch General und Brigadekommandeur, und doch waren nur wenig Leute am Grab. Allerdings fiel an dem Tag ein starker Regen – Regen und Schnee ...

IRINA: Wozu die Erinnerung auffrischen!

An der Tafel im Saal erscheinen Baron Tusenbach, Tschebutykin und Ssoljony.

OLGA: Heut ist's warm, man kann die Fenster weit aufmachen – aber die Birken haben noch nicht ausgeschlagen. Genau elf Jahre ist's her, dass der Vater die Brigade bekam und wir von Moskau abreisten. Ich habe es noch ganz frisch im Gedächtnis: es war Anfang Mai, in Moskau prangte schon alles in schönster Blüte.