Im Hause der Prosorows. Wohnzimmer, das durch Säulen vom Saal geschieden ist; draußen ist es heiter, sonnig. Man sieht, wie im Saal der Frühstückstisch gedeckt wird. Olga im blauen Uniformkleid einer Lehrerin am Mädchengymnasium; Mascha im schwarzen Kleid, den Hut auf den Knien, sitzt und liest in einem Buch; Irina im weißen Kleid, steht sinnend da.
OLGA: Heut vor einem Jahre ist der Vater gestorben – gerade an deinem Namenstag, Irina, am fünften Mai. Es war sehr kalt an dem Tag – es schneite sogar. Ich glaubte nicht, dass ich's überleben würde – du lagst ohnmächtig da, wie tot. Und nun ist kaum ein Jahr vergangen – und wir reden davon so gleichgültig, du hast schon dein weißes Kleid an, und dein Gesicht strahlt.Die Uhr schlägt zwölf. Auch damals schlug gerade die Uhr. –Pause. – Ich erinnere mich noch: als sie den Vater hinaustrugen, spielte die Militärkapelle, und auf dem Friedhof wurde geschossen. Merkwürdig übrigens – er war doch General und Brigadekommandeur, und doch waren nur wenig Leute am Grab. Allerdings fiel an dem Tag ein starker Regen – Regen und Schnee ...
IRINA: Wozu die Erinnerung auffrischen!
An der Tafel im Saal erscheinen Baron Tusenbach, Tschebutykin und Ssoljony.
OLGA: Heut ist's warm, man kann die Fenster weit aufmachen – aber die Birken haben noch nicht ausgeschlagen. Genau elf Jahre ist's her, dass der Vater die Brigade bekam und wir von Moskau abreisten. Ich habe es noch ganz frisch im Gedächtnis: es war Anfang Mai, in Moskau prangte schon alles in schönster Blüte.