Heidi Axel
Die Frau in Grau
Der Nebel floss langsam durch die engen, schmutzigen Gassen der Stadt. Es waren nicht viele Menschen so spät noch unterwegs und die, die unterwegs waren, froren in ihrer dünnen und ärmlichen Bekleidung. Eine Frau ging unauffällig, aber zügig und dicht geduckt, an den Häuserwänden entlang. Sie hatte ein graues Tuch um den Kopf gebunden und sah auch sonst in ihrem grauen langen Kleid, das im Dreck schleifte, sehr unscheinbar aus. Sie war müde, denn das was sie diese Nacht leisten würde, musste heimlich und ohne einen Laut geschehen.
Sie verstand sich darauf, Kinder auf die Welt zu bringen. Meistens waren es ungewollte Kinder, die sie zur Welt brachte und diese hatten auch kaum die Chance sich ihres Lebens zu erfreuen. Magda war eine Frau in den vierziger Jahren. Sie hatte eine kräftige Figur und vor allem ihre Hände zeugten davon, dass sie ordentlich zupacken konnte.
Das Kind, welches sie der Frau entband, war gesund auf die Welt gekommen, aber es durfte nicht ein einziges Mal seine kleinen Lungen mit Luft vollpumpen und schreien. Magda erstickte den Schrei und gab den leblosen Körper einer Magd, die es in Windeseile aus dem Zimmer brachte. Das junge Mädchen dort im Bett war von der Geburt noch so durcheinander und erschöpft, dass es sich nur langsam erholen konnte. Sie sah Magda fragend an, aber diese schüttelte