Kapitel 1
Das friedliche Treiben auf der Avenue de Champs-Élysées, das gewöhnlich nur durch lärmende Autohupen und freche, umherfliegende Tauben unterbrochen wurde, erfuhr an diesem Abend ein jähes Ende. Lieutenant Bayard hatte mit seinem Kollegen Martin und einigen uniformierten Polizisten des ersten Polizeireviers in Paris den Verdächtigen auf der belebten Straße umstellt. Im Hôtel de Crillon hatte die Razzia am frühen Abend begonnen und sich über mehrere Stunden hingezogen. Der Mann, nach dem alle gesucht hatten, Milo Bejic mit Namen, hatte im Verdacht gestanden, kinderpornografische Videos herzustellen, zu vervielfältigen und über ein Forum im Darknet zu verkaufen.
Ein Verbrechen, geplant und durchgeführt im großen Stil, wenn man den Ergebnissen der Polizeiarbeit Glauben schenkte.
Die Ermittlungen waren vor sieben Monaten aufgenommen worden. Der Zufallsfund von pornografischem Material war ein Dateiordner auf einem Computer, den man bei einer völlig anderen Drogenrazzia sichergestellt hatte. Der neue Fall, der sich damit aufgetan hatte und der vom ersten Anschein an nichts für die Jungs von der Drogenfahndung war, wurde daraufhin Commissaire Monique Balcer zugeteilt. Sie war die Leiterin der Abteilung für Mord und Gewaltverbrechen der Pariser Kriminalpolizei. Eigentlich hätten die Ermittlungen dem Dezernat für Sexualdelikte unterstanden, doch weil diese Division so unterbesetzt wie gleichzeitig überarbeitet war, hatte man Balcer in Betracht gezogen. Und diese wiederum hatte ihre beiden einfallsreichsten Kriminalpolizisten auf den Fall angesetzt, Lieutenant Philippe Bayard und Lieutenant Jean Martin.
Die zwei Männer arbeiteten seit drei Jahren zusammen. Bayard, der jüngere von beiden, galt von Tag eins an als der kluge und sma