Als die Märzsonne die erste Frühlingswärme brachte, wollte Agnes mit Opa Theophil einen kleinen Spaziergang machen. Gewiss würde dem alten Mann etwas frische Luft mal ganz guttun.
Schließlich konnte er noch recht sicher laufen, doch er verließ seine Wohnung konsequent nicht, sondern schuf sich stattdessen in ihr seine eigene Welt, die ihn völlig einnahm, während Agnes immer weniger Zugang zu ihm fand.
Sie ging in seine Wohnung, das Wohnzimmer war leer, Agnes sah in der Küche, im Bad und im Schlafzimmer nach, doch Opa Theophil war nirgends zu sehen. Agnes spürte, wie Angst in ihr hochstieg – vielleicht war er auf dem Balkon – sie ging zurück ins Wohnzimmer, doch die Balkontür war verschlossen. Da sah sie die Stehlampe hinter dem Sofa verdächtig schaukeln und trat einen Schritt näher. Opa Theophil hockte hinter dem Sitzmöbel, krabbelte über den Teppich und berührte mit seiner rechten Hand die Knüpfmuster.
»Was machen Sie da, Opa Theophil?«
»Ich suche das Gold.«
»Welches Gold denn? Haben Sie Schmuck verloren?«
Opa Theophil reagierte nicht, sondern suchte weiter den Teppich ab bis hin zum Fenster, dann fuhr er über die Fensterbank, griff nach etwas und hielt es hoch. »Gucken Sie sich das an. So ein schöner Bernstein.«
Erst jetzt erkannte Agnes voller Ekel, dass Opa Theophil einen toten Brummer in der Hand hielt.
»Aber das ist eine tote Fliege«, sagte sie.
»Ja«, strahlte er. »Mit Einschluss. So etwas ist sehr wertvoll.«
Agnes seufzte. »Geben Sie es mir?«
Opa Theophil sah sie misstrauisch an und schüttelte den Kopf.
»Bitte.«
Seine Augen funkelten. »Sie wollen ihn mir nur wegnehmen.«
Agnes wandte sich vo