: Boris Prem
: Títa'U Chrestomathie zum RgVeda In deutscher Sprache mit Sachkommentar, Band II
: Books on Demand
: 9783756854714
: 1
: CHF 11.40
:
: Weitere Religionen
: German
: 116
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Rund 70 erzählende, dialogische und den Ritus (Hochzeit, Bestattung) betreffende Texte aus Rigveda und Brahmanas in deutscher Sprache mit Sachkommentar Aus dem Inhalt: - Großereignisse wie die auch dem vedischen Menschen bekannte Sintflut oder der Sieg der Bharatas in der Zehnkönigsschlacht, nach denen der moderne indische Bun-desstaat benannt wurde (Bharat) - die Lebensgeschichte des ÍNDRA, der sich aus Angst vor seinem Vater nicht aus dem Mutterleib wagt und schließlich zum Herrn über Götter und Menschen wird, oder die der drei RBHÚ, die aus der Himmelsschale vier Teile machen und Götterstatus erlangen - der Mythos vom Adler, der den himmlischen Soma raubt, oder der von der beherzten Hündin SARÁMA, die den einfältigen PANÍ zur Herausgabe der Strahlen der Morgenröte bewegt - Ehepartnerdialoge, die recht intime Probleme prominenter Eheleuten zum Thema haben - die anrührende Legende von dem greisen CYÁVANA und seiner jungen, ihm treu ergebenen Gemahlin SUKANYÂ oder die von SUNAHSÉPA, der in den Banden des Todes vertrauensvoll zu den Göttern fleht, woraufhin die Fesseln von ihm abfallen Die vorliegende Chrestomathie ist (mit Erläuterungen zu Wortschatz und Grammatik) auch im vedischen Original erhältlich. Im Einzelnen enthält der Band folgende Passagen: Rigveda 1,24; 1,25; 1,26; 1,27; 1,28; 1,29; 1,30; 1,84,13-15; 1,110; 1,161; 1,162; 1,163; 1,165; 1,170; 1,171; 1,179; 3,8; 3,33,1-12; 3,53; 4,1,4-5; 4,18; 4,26; 4,27; 4,33; 4,42; 5,2,7; 5,31,6; 6,47; 7,18; 7,33; 7,83; 8,91; 10,10; 10,16; 10,18; 10,27; 10,28; 10,51; 10,52,1-5; 10,57; 10,58; 10,59; 10,60; 10,85; 10,86; 10,95; 10,102; 10,108; 10,124; 10,135; 10,183; Aitareyá Brâhmana 7,13-18; Jaiminiya Brâhamana 3,168-170; 3,238-239; Satapatha Brâhmana 1,2,3,1; 1,3,3,13-14; 1,8,1,1-6; 4,1,5,1-13; 4,1,5,13-15; 11,5,1,1-17; 14,1,1,17-25

Boris Prem, geb. am 05.08.1964 in Olching, studierte Klassische Philologie in München und Tübingen; bereits während des Studiums Besuch einzelner indologischer Lehrveranstaltungen; 2010-2023 schwerpunktmäßige Arbeit am Títa'U LEHRWERK VEDISCH (incl. Chrestomathie)

Sieg über Wasser


Die große Flut oder der weise Fisch

Śatapatha Brâhmaa 1,8,1,1-6

1. Dem MÁNU (‚Mensch‘) nun wahrlich brachte man morgens Waschwasser, so, wie man es für beide Hände zum Abwaschen bringt. Als er sich abwusch und abwusch, fiel (ihm) ein Fisch in beide Hände. 2. Dieser aber sprach zu ihm das Wort: „Ziehe mich auf, ich werde dich retten.“ „Wovor wirst du mich retten?“ „Eine Flut wird all die Geschöpfe forttragen. Vor ihr werde ich dich retten.“ „Wie (erfolgt) deine Aufzucht?“ 3. (Der Fisch) aber sprach: „Wie lange wir wahrlich winzig sind, so lange geschieht uns viel Verderben fürwahr, und Fisch wahrlich verschlingt Fisch. Du sollst mich (darum) am Anfang in einem Krug halten. Sobald ich (aber) über ihn hinausgewachsen sein werde, dann sollst du eine Grube graben und mich darin halten. Sobald ich (aber auch) über diese hinausgewachsen sein werde, dann sollst du mich in den Ozean hinuntertragen, dann nämlich werde ich vor Verderben gefeit sein.“ 4. Alsbald wurde (das Tier) zu einem Großfisch, es wuchs nämlich gewaltigst. Da (sprach es): „In dem und dem Jahr, da soll die Flut kommen. Mich hier sollst durch Gehorsam du ehren, indem ein Schiff du zusammenfügst! Wenn die Flut gestiegen ist, sollst du das Schiff besteigen! Vor ihr werde ich dich retten.“ 5. Nachdem er (den Fisch) so (wie angeordnet) gehalten hatte, trug er ihn hinunter in den Ozean. Das wievielte Jahr (dieser) damals angezeigt hatte, das sovielte Jahr ehrte (MÁNU den Fisch) durch Gehorsam, indem er das Schiff zusammenfügte. Als (die Flut) gestiegen war, bestieg er das Schiff. Der Fisch schwamm (nun) auf ihn zu (und) er streifte das Schiffstau über dessen Horn. Mit (des Fisches) Hilfe fuhr er rasch zum NÖRDLICHEN BERG. 6. Der (Fisch) sprach: „Ich habe dich nun gerettet. Binde das Schiff an einen Baum! Dich selbst aber soll, solange du dich auf dem Berg befindest, das Wasser nicht (von ihm) abschneiden! In welchem Maß das Wasser sinkt, genau in dem Maß sollst du nach und nach herabklettern!“ (MÁNU) kletterte nun also genau in dem Maß, (in welchem das Wasser sank,) nach und nach herab. Darum auch wird diese (Stelle) des NÖRDLICHEN BERGES ‚ABSTIEG DES MÁNU‘ genannt. Die Flut nun trug all die Geschöpfe fort und nur MÁNU blieb als Einziger hier übrig.

1

„MÁNU“: s. Eigennamenverzeichnis am Ende des Buches

5

„NÖRDLICHEN BERG“: ein Berg im Himalaya

ÍNDRA besiegend die Wasser für MÁNU

5,31,6; AVASYÚ

1. Verkünden will ich dir, (o ÍNDRA,) die früheren Taten, die jetzigen, o Gabenreicher, die du tust, / o dú an Lébenskraft reicher, dass du trennst Himmel-und-Erde beide, besiegend die Wasser für MÁNU, die himmelstauglänzenden.

Was ÍNDRA zur Zeit der großen Flut (s. oben Śatapatha Brâhmaa 1,8,1,1-6) wirkte, nämlich die Trennung von Himmel und Erde (während der starken Regenfälle, die die große Flut verursachten, waren Himmel und Erde sozusagen miteinander verbunden, waren die oberen und die unteren Wasser eins) und anschließend das Sinken der die Erdscheibe bedeckenden Wasser, das wirkt er nun gewissermaßen Tag für Tag. Nachts sind Himmel und Erde miteinander verbunden, ÍNDRA aber trennt sie allmorgendlich – nun nicht für MÁNU, sondern für mánu, für den Menschen schlechthin, indem er erstens den die Nachtwasser (das Nachtdunkel) als seine Frauen okkupierenden VTRÁ (s. Eigennamenverz.) erschlägt und diese nach ihrer Befreiung in ihre irdischen Flussbetten leitet (VTRÁ-Mythos) und indem er zweitens die MORGENRÖTE aus dem Finsternisfels des VALÁ (s. Eigennamenverz.) befreit (VALÁ-Mythos); sobald die Morgendämmerung in Erscheinung tritt, setzt die Trennung von Himmel und Erde ein; aus der Verbindung des AGNÍ (des morgendlichen Opferfeuers) mit der MORGENRÖTE geht der Sonnenball hervor, der die Trennung von Himmel und Erde zum Abschluss bringt. (vgl. 1,165,8)

Des VIŚVÂMITRA Gewalt über die Flüsse

3,33,1-12; VIŚVÂMITRA

1. (VIŚVÂMITRA [‚jeden zum Freund habend‘]:) „Hervor aus der Berge Schóß stúerzen wie zwei begierige Stuten, lósgebúndene, díe um die Wette laufen, / wie zwei Kühe, prúnkvólle, zwei Múetter, die (ihre Jungen) lecken, VÍPĀK (únd) ŚUTUDRÎ mít (ihrem) Náss.

2. Zwei von ÍNDRA entsendete, (des ÍNDRA) Befehl (zum Galopp) euch erbittende, galoppiert ihr zum Ozean wie zwei Wágenstúten. / Sich veréinigend, mít (ihren) Wogen (án)zuschwéllen, mündet eine von euch beiden in die andere, ó ihr béiden Prunkvóllen!

3. Zum múetterlíchsten Strom bin ich gekommen, (zúr ŚUTUDRÎ,) zur breiten VÍPĀK, einer Reicherin Leben wirkender Reichung sind wir gelangt, / (zu) zwéi gléichsam (ihr) Kalb gemeinsam leckenden Müttern, die gemeinsames Lager beide ziehen gemeinsam entlang.“

4. (Die Flüsse:) „Mit diesem (unserem) Náss (an)schwéllend (sind) wir das Lager, das góttgemáchte, entlángzíehende. / Nicht (ist) zu hemmen (der Wasser) Schwall, der mit der Strömung dahinschießt. Was begehrend schréit und schreit éin auf die Flüsse der Seher?“

5. (VIŚVÂMITRA:) „Kommt zur Ruhe in euren Kräften für das Wórt mein, das sómische, o ihr Órdnungsmáechtigen, fúer einen Augenblick! / Fernhin dem Stróme zu (rúft) méine gewaltige Dichtung. Erquickliche Hilfe begehrend habe gerufen ích, des KUŚIKÁ Sohn.“

6. (Die Flüsse:) „ÍNDRA hat uns erfurcht mit der Keule im Arm. Fórt hat er geschlagen VTRÁ, der Flüsse Umschrankung. / Gott SAVITÁR mit der Leben wirkenden Hánd leitet (úns). Auf séinen Befehl galoppieren wir breiten dahin.“

7. (VIŚVÂMITRA:) „Zu verkünden in steter Wíederkehr (íst) des ÍNDRA mannhafte Tat, der (VTRÁ,) den Schlangerich auseinándergeháuen. / Auseinander mit der Keule die ringslágernden (Wasser) schlug er. Es gingen die Wasser, einen Wég súchend.“

8. (Die Flüsse:) „Dieses Wort, o Sänger, mögest du nicht vergessen! Mögen es laut heráb (uns) verkúenden die aus dír hervórgéhend Geschlechter, die späteren! / In (deinen) Worten, o Lóbsänger, gégen úns erweise dich als gefällig! Setz uns nicht herab bei den Menschen! Verbeugung dir!“

9. (VIŚVÂMITRA:) „Nun zu Leben, o Schwestern, auf den Lóbsänger hört! Ér ist gekommen zu euch aus der Ferne mít (zweiáchsigem) Karren und (éináchsigem) Wagen. / Nieder zu Leben béugt euch! Seid léicht zu durchfahren, indém únter den Achsen ihr bleibt, o ihr Ströme, mit (euren) Fluten!“

10. (Die Flüsse:) „Auf deine Worte, o Lóbsänger, wollen wir hören! Du bist gekommen aus der Ferne mit Karren und Wagen. / (ŚUTUDRÎ:) Nieder vor dír wíll ich mich beugen wie eine (mílch)strótzende junge Frau (über ihr Kind sich beugt, wobei,) wie einem jungen Mann die Jungfrau (sich fügt), dír ich mich fúegen will!“

11. (VIŚVÂMITRA:) „Sobald dich die Bharatá (‚die zu Hegenden‘) vóllends durchschritten, der kúehebegéhrende Volksstamm, der in schnelle Bewegung versetzte, von ÍNDRA in Bewegung gesetzte, / soll dahínschíeßen wahrlich (gewaltiger Wasser) Schwall, der mit der Strömung dahínschießt! Herbei euer Wohlwollen wünsche ich mir, (das Wohlwollen) von mit Ópfergáben zu Erquickenden.

12. Geschritten durch (den Fluss) sínd die Bharatá, die kúehebegéhrenden. Vollends ist geworden der Séher teilháftig des Wóhlwóllens der Flüsse. / Schwellt (wieder) an, (uns) zu erquicken, die ihr zu Leben (erquickliche) Gabe haltet bereit! Füllt euch die Bäuche! Eilt rasch dahin!“

1b

„VÍPĀK“: (heute ‚Beas‘) zweitöstlichster Fluss der fünf großen Flüsse des Punjab (‚Fünfstromland‘), mündet in die ŚUTUDRÎ

„ŚUTUDRΓ: (heute ‚Sutlej‘/‚Satluj‘) östlichster Fluss der fünf großen Flüsse des Punjab; entspringt in Tibet und vereinigt sich mit dem Chanab, mit dem zusammen er als Panjnad in den Indus mündet

3b

„gemeinsames Lager“: gemeinsames Flussbett nach ihrer Vereinigung

4a

Nicht nur VÍPĀK und ŚUTUDRÎ, noch weitere Flüsse, die sich inzwischen ebenfalls mit der ŚUTUDRÎ vereinigt haben, ergreifen das Wort.

5a

ŚUTUDRÎ (mitsamt aller Flüsse, die in sie...