KAPITEL 1
»Sind wir auf dem richtigen Weg?«
Das war Summers erste Frage, kaum dass wir ihre Festung unter dem Berg verlassen hatten. Es war eine gute Frage und ich wünschte, ich hätte eine gute Antwort gehabt.
»Ich weiß nicht.« Ich zuckte mit den Schultern. »Aber diese Richtung hat mich zu dir geführt, also scheint sie mir so gut wie jede andere zu sein.«
Wir liefen nach Westen, mit dem eisigen Wind im Rücken und dem knirschenden Schnee der Taiga unter den Füßen.
»In die Richtung bin ich auch geschwommen, als ich auf meine Insel stieß«, fuhr ich fort, »und als ich sie verließ, habe ich denselben Weg eingeschlagen und kam bei dir an.«
»Gutes Argument.« Summer nickte und ließ den Blick über die vor uns liegende Landschaft schweifen: »Bis Sonnenuntergang haben wir einen weiten Weg vor uns«, bemerkte sie.
Unser Plan für Tag eins lautete, die Taiga und den sich daran anschließenden Wald zu durchqueren, um dann am Waldrand zu rasten, bevor wir uns die nächste Taiga vornehmen wollten. Tag zwei sollte uns bis zum Dschungel führen, den Summer schon vor einiger Zeit entdeckt hatte. Er war der weiteste von ihrer Heimatbasis entfernte Punkt. Dahinter lag das große Unbekannte.
Es war ein simpler, leicht ausführbarer Plan … sofern wir unterwegs nicht auf Ärger stießen. Allerdings hatte es zu schneien angefangen, was unsere Sichtweite einschränkte und sämtliche Creeper und andere nächtliche Wesen verbarg, die das Glück hatten, unter einem einsamen Baum Zuflucht gefunden zu haben.
Sie waren auch der Hauptgrund, warum Summer so still war. Es lag nicht daran, dass sie inzwischen mehr als genug über unsere gemeinsame Entscheidung nachgegrübelt hatte – sie wollte nur ihre ganze Aufmerksamkeit auf potenzielle Risiken konzentrieren. Monster waren hier draußen nämlich nicht die einzige Gefahr. Überall konnten verborgene »Schneefallen« lauern – wie die, in der ich während meiner ersten Nacht auf diesem Kontinent gelandet war. Die Erinnerung daran ließ mich erschaudern … das verdeckte Loch im Boden, der eisige Teich und das Skelett, das aus der Dunkelheit auf mich geschossen hatte.
Da draußen lauerten mit Sicherheit noch mehr solcher Gefahren … und wahrscheinlich massig neue. Diese Welt veränderte sich nämlich ständig – mindestens zweimal, seit ich Summer begegnet war. Neue Tiere, neue Pflanzen und im Nether sogar ganz neue Umgebungen, die uns fast umgebracht hätten.
Ob sich die Taiga in letzter Zeit verändert hatte? Falls ja, hätten wir das jedenfalls verpasst. Wir waren so damit beschäftigt gewesen, den gesamten Berg mit Redstone-Lampen zu »verdrahten«, dass wir nicht einmal für einen kurzen Sprung in den Eisfluss ins Freie gegangen waren. Aber falls sich die Welt an der Oberfläche verändert hatte, würden wir es bald herausfinden. Sorgen machte ich mir keine. Ich wusste, wir würden mit allem klarkommen, was uns erwartete. Schon auf meiner Insel hatte ich gelernt: Wenn die Welt sich ändert, musst du dich mit ihr verändern.
Genau das hatte ich getan, und zwar jedes Mal. Die erste Veränderung hatte mir die Möglichkeit beschert, einen Schild anzufertigen, den ich seither fast ständig am linken Arm trug. Die jüngste hatte mir die Armbrust eingebracht, die ich in der Rechten hielt. Die neue Waffe war mir richtig ans Herz gewachsen – so sehr, dass ich sie dem gu