1. DIE HAMBURGER IDYLLE
Rozas Kopf pochte schmerzhaft. Verschlafen öffnete sie die Augen, konnte jedoch mit dem Bild, das sich in dem schummrigen Licht vor ihr auftat, nichts anfangen. Irritiert starrte sie auf die schlichte Holzwand ihr gegenüber. Der gesamte Raum schien aus Holz zu bestehen. Nur durch ein kleines Fenster ohne Glas rechts von ihr drang Helligkeit hinein.
Bin ich im Elfenbaum?
Sie hatte keine Ahnung. Ihr war einfach nur elend zumute. Denn alles tat ihr weh – ihr Kopf, ihr Oberkörper, ihre Beine. Es kam ihr vor, als könnte sie niemals wieder einen Fuß vor den anderen setzen.
Kinderlachen und Hundebellen erklangen von draußen und just durchzuckte sie die Erkenntnis:Wir haben Rumänien verlassen und sind jetzt in Hamburg! Ich habe im Garten des Elfenhauses ein Baumhaus wachsen lassen. Das ist es!
Ihre Mutter hatte mehrmals nach Custo und ihr gesehen, ihnen Bettzeug, Schlafshirts, Essen und Trinken gebracht. Doch Roza war immer wieder nach wenigen Minuten vor Erschöpfung eingeschlafen, geplagt von Vates’ Wissen, den Visionen und den vergangenen Bildern: die demolierte Blockhütte, in der sie die letzten fünfzehn Jahre mit Custo, Catrinel und Gheorghe gelebt hatte; die bewusstlosen Elfen, denen sie die Energie entzogen hatte, um Erdély zu schützen.
Nein, Großmutter hatte das getan!
Nachdem Roza ihre Kräfte übernommen hatte, hatte Vates es irgendwie geschafft, die Kontrolle über ihren Körper an sich zu reißen.Ist sie noch in mir?
Angst kroch kalt durch ihre Adern, während sie unbeweglich verharrte und