: Arnold Bennett
: Theater Roman
: apebook Verlag
: 9783961305957
: 1
: CHF 2.70
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: Erzählende Literatur
: German
Edward Henry Machin ist 43 Jahre alt. Er hat Geld, Charme und Einfallsreichtum, aber keinen Geschmack. Und obwohl er ein erfolgreicher Geschäftsmann und Oberhaupt einer glücklichen Familie ist, ist er mit seinem Schicksal unzufrieden und will eine neue Herausforderung. Und so beschließt er, es mit der Londoner Theatergesellschaft aufzunehmen. Durch Zufall erwirbt er eine Option auf die Rechte an einem Grundstück in London, und damit beginnen seine Abenteuer. Mit etwas Glück und List wird er zum alleinigen Besitzer des Grundstücks und beschließt, obwohl er nur sehr wenig über die Theaterwelt weiß, ein neues Theater mit dem Namen 'The Regent' zu bauen. In der Folge stößt er beim Betrieb des Theaters auf verschiedene Schwierigkeiten. Wie er mit einem poetischen Autor und anspruchsvollen Schauspielerinnen umgeht, wird mit dem üblichen Bennett-Humor erzählt.

Erstes Kapitel. Der Hundebiß


I

Und doch, dachte Edward Henry Machin, als er sechs Minuten vor sechs seiner Wohnung auf der Höhe von Bleakridge zuschritt, und doch bin ich gar nicht so recht vergnügt!

Die beiden ersten Worte dieser unerfreulichen Betrachtung bezogen sich auf die Tatsache, daß ihm zwei Telephongespräche mit seinem Börsenvertreter in Manchester durch eine Spekulation in Gummiaktien dreihunderteinundvierzig Pfund eingetragen hatten. Es war im Herbst des großen Börsenjahres 1910. Er hatte nichts weiter getan, nur den Mund klug und glücklich im richtigen Augenblick geöffnet, und das Geld war ihm wie eine reife goldene Frucht als Himmelsgeschenk in den Schoß gefallen. Und doch war er gar nicht so recht vergnügt! Er war überrascht, ja es verletzte ihn geradezu, daß Geldgewinn nicht unbedingt glücklich machte.

Ich werde älter, dachte er.

Er hatte recht. Er war noch jung, wie jeder Mann von dreiundvierzig Jahren zugeben wird, aber er wurde älter. Wenige Jahre vorher hätte der unerwartete Gewinn von dreihunderteinundvierzig Pfund keine krankhafte Selbsterforschung hervorgerufen, sondern ein natürliches, durch keinerlei Nachdenken angekränkeltes Glücksgefühl, das mindestens zwölf Stunden angedauert hätte.

Mit solchen Gedanken beschäftigt, verschwand er hinter der rötlichen Gartenmauer, die sein Haus den Blicken der Straße entzog. Er hatte eigentlich gehofft, daß Nellie ihn auf den berühmten Marmorstufen des Hauseingangs erwarten würde, denn die Frau pflegte schon seit langen Jahren seine Ankunft von dem kleinen Fenster im Badezimmer aus zu erspähen. Aber auf den Marmorstufen stand niemand. Seine Verstimmung nahm zu. Beim Mittagessen hatte er über Neuralgie geklagt, daher durfte er an diesem Abend wirklich erwarten, daß sie reizend angezogen und voll Mitgefühl an der Türe stehen würde. Die Neuralgie hatte allerdings aufgehört. »Aber,« sagte er mit Recht bitter zu sich selbst, »sie kann doch nicht wissen, daß ich keine Schmerzen mehr habe.«

Er öffnete die Haustür mit seinem eleganten kleinen Hausschlüssel, trat in die Wohnung und stolperte beinahe über einen Handbesen, der an der zum Fußreinigen eingelassenen Matte lag. Er betrachtete ihn ärgerlich. Solch ein Gegenstand wäre um diese Zeit in der Diele jedes Hauses nicht am Platze gewesen. Aber in der Diele seines Hauses, dessen Pläne er vor zwölf Jahren selbst entworfen hatte, war der Anblick eines elenden alten Handbesens zur Teestunde geradezu ein Skandal. Vor noch nicht vierzehn Tagen hatte er seiner Frau einen großartigen elektrischen Vakuumreiniger geschenkt. Man brauchte ihn nur mit dem Steckkontakt an der Wand anzuschließen, ihn in geheimnisvollen Rhythmen fächelnd über den Fußboden zu bewegen, und das Haus wurde sauber. Er war so stolz darauf, als ob er ihn selbst erfunden hätte; jeden Tag erkundigte er sich nach dem Erfolg und erwartete und erhielt begeisterte Antworten.

Und jetzt lag dieser schmutzige Handbesen da!

Während er seinen Hut und seinen schönen neuen Überzieher, der die Farbe und die sanfte Glätte einer römischen Pflaume hatte, sorgf