Teil II
ARCADIA
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AUSWERTUNG
»Es tut mir leid«, sagte Tom Llewyllyn im BBC-Sendegebäude zu Fielding Gray, »aber das reicht nicht.«
»Du hast ja recht.«
»Das Einzige, was du auftun konntest«, fuhr Tom fort, »ist ein Taschentuch, das um den Hals einer Leiche gebunden war, als du es gefunden hast. Sicher, es ist dir gelungen nachzuweisen, dass es von einem Londoner Herrenausstatter an diesen Restarick verkauft worden ist – aber was beweist das schon? Taschentücher verliert man leicht oder bekommt sie gestohlen. Selbst wenn du belegen könntest, dass Restarick damals zur Zeit des Mordes auf Zypern war, beweist dieses Taschentuch nicht einwandfrei, dass er bei der Tötung dabei war. Oder dass er derEOKAgeholfen hat. Oder dass er Diomedes war.«
»Aber es legt doch sehr stark den Verdacht nahe, dass er an irgendeinem Punkt in das alles verwickelt war.«
»In solchen Fällen können wir es uns leider nicht leisten, uns mit einem Verdacht zufriedenzugeben.«
»Ich hab ja schon gesagt, dass ich dir recht gebe.«
»Aber warum«, sagte Tom, »bist du dann schon so schnell nach London zurückgekommen? Obwohl ich mich sehr freue, dich zu sehen!«
»Ich bin zurückgekommen«, sagte Fielding, »um mich genau zu vergewissern, wo ich eigentlich stehe. Es gab Anzeichen – das Telegramm nach Athen –, dass die BBC nicht grade begeistert von meinen Recherchen ist, und ich gehe nicht davon aus, dass man hier über die Schlussfolgerungen, die sich aus dem, was ich entdeckt habe, ziehen lassen, sehr erfreut sein wird. Und deshalb will ich deine Zusicherung, dass, was immer ich noch herausfinden werde, wenn ich das hier wie geplant zu Ende bringe, ohne Einschränkung und ganz offen auch gesendet, und nicht unterdrückt oder als zu läppisch abgetan wird.«
»Ich allein treffe die Entscheidungen bei›Heute ist Geschichte‹«, sagte Tom. »Du hast meine volle Zusicherung – und das war auch nie anders –, dass ich alles Relevante, was du in oder über Zypern herausfindest, senden werde. Aber bist du dir sicher, dass du wirklich dorthin zurückwillst? Ist dir dort nicht schon zu viel zugestoßen?«
»Weißt du«, sagte Fielding, »ich bin bis jetzt beharrlich drangeblieben, um für mich selbst die Wahrheit herauszufinden. Das habe ich nun zu meiner großen Zufriedenheit getan, aber ich habe noch nicht genügend belastbare Beweise sammeln können, um die Sache öffentlich zu machen – da sind wir uns einig. Da ich jedoch meine, dass die Sache an die Öffentlichkeit muss, bin ich bereit, noch einmal hinzufahren und mehr Beweise zu suchen, egal, wie unangenehm die Umstände sein werden, vorausgesetzt, deine Unterstützung ist mir sicher …«
»Das ist sie.«
»… und vorausgesetzt, dass du mir jetzt ganz genau erklärst, welche Art von Beweisen du von mir benötigst, bevor ich dann die Enthüllungsgeschichte schreiben kann.«
Tom vergrub die Hände in seinen Haaren und stützte die Ellenbogen auf den Schreibtisch. Prompt fiel sein Blick auf ein großes Blatt Papier, auf demLebertran und Malzextrakt fürs Butzelstand, ein Auftrag, den Patricia, kurz bevor Fielding eingetroffen war, telefonisch durchgegeben hatte. Angewidert musste er sich schütteln und widmete sich dann, auch wenn es ihm schwerfiel, der anstehenden Frage.
»Schwierig«, sagte er. »Was, meinst du, kannst du uns bieten?«
»Mein Informant, Percival«, sagte Fielding, »der mit dem Taschentuch ja genau richtiglag, ist jetzt noch mit etwas Neuem angekommen.« Tatsächlich war Leonard Percival am Abend zuvor, wo auch immer er bis dahin gelauert haben mochte, am Londoner Flughafen aufgetaucht, um Fielding abzuholen. Auf der Taxifahrt vom Flughafen zu Buttock’s Hotel hatte er seiner Zufriedenheit über das von Fielding Erreichte Ausdruck verliehen und kurz und bündig Anweisungen für den nächsten Schritt erteilt. »Etwas Neues«, wiederholte Fielding, »das ganz anders ist.«
»Nämlich?«
Fielding stand auf und ging zu dem Fenster, von dem aus man auf das White-City-Stadion hinausblickte. Das wird Tom nicht gefallen, dachte er. Mal angenommen, er hat was dagegen – dann kann ich die ganze Sache immer noch aufgeben, und das war’s. Was ich wollte, habe ich erledigt; ich habe denjenigen, die mich abschrecken wollten, die Stirn geboten, und die Wahrheit, die sie nicht ans Licht kommen lassen wollten, entdeckt; meine Ehre ist wiederhergestellt. Ich hab das Spiel gewonnen und weiß das, und ich bin inzwischen gewiss alt und vernünftig genug, dass es mir gleich ist, ob das Ergebnis öffentlich bekannt wird oder nicht.
Aber er wusste genau, dass es ihm eben doch nicht gleich war. Es bedeutete ihm nicht aus Gründen der Moral oder der Politik oder des Patriotismus etwas, sondern schlicht, weil er eine tiefe persönliche Abneigung gegen Unruhestifter hatte – Leute wie Restarick, die (aus welchen Motiven auch immer) umherzogen und für Ärger sorgten, wo vorher Ruhe und Frieden geherrscht hatten. Solche Menschen machten alles, dem sie sich näherten, hässlich und unannehmlich. Er, Fielding, verübelte ihnen das, er wollte, dass man sie fasste und i