Kapitel 1
Mein Blick hängt immer noch in Jans Gesicht fest, das mich einerseits besorgt und andererseits verletzt anschaut. Die Menschenmenge um mich herum habe ich für einen Augenblick komplett vergessen, genauso wie den Strick, der noch locker um meinen Hals gewunden ist und mich in wenigen Sekunden ins Jenseits befördern soll. Vorsichtig drehe ich mich zur Seite, um einen Blick auf Darihn zu erhaschen. Darihn, der rechtmäßige Prinz von Mahrla, der genau wie ich hingerichtet werden soll, weil der Gewaltherrscher Karop die Macht an sich gerissen hat. Ich erinnere mich daran, wie der junge Mann mit den goldenen Augen mich noch vor wenigen Momenten liebevoll zum Abschied geküsst hat, weil wir nicht mehr mit Rettung gerechnet haben. Ich liebe dich, hat er zu mir gesagt, bevor wir auseinandergerissen wurden. Erst danach habe ich meinen besten Freund Jannik zwischen all den grölenden Bürgern entdeckt, der gemeinsam mit meinen Eltern gekommen ist, um uns aus den Händen der Karoper zu befreien. Diese öffentliche Zuneigung zwischen mir und dem schwarzhaarigen Jungen muss ihn ziemlich getroffen haben.
Ob Darihn ihn noch nicht bemerkt hat? In diesem Moment ertönt Karops aggressive Stimme hinter mir: „Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Fangt mit dem Jungen an, der sich für den Prinzen hält.“
Es ertönt ein spöttisches Lachen, bevor er den gleichen Befehl für die Soldaten auf Mahrlaisch wiederholt. Ein kalter Schrecken fährt durch meine Blutbahn, als die Krieger Darihn zu acht festhalten, damit ihr Anführer Tasos den Strick festziehen kann. Besorgt versuche ich in der Menge wieder Jans Bl