: Anton Reiter
: Ein ereignisreicher Sommer 1988 Auf Umwegen zum Fluchthelfer für zwei junge Ostdeutsche
: Buchschmiede von Dataform Media GmbH
: 9783991525653
: 1
: CHF 12.80
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: Biographien, Autobiographien
: German
Der Autor nimmt im Juni 1988 an einer Tagung zum Thema Künstliche Intelligenz im Internationalen Congress Center in Berlin teil. Bei einem Kurzbesuch in Ostberlin, Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik, begegnet er Nina, einer Angestellten der Berliner Verkehrsbetriebe. Sie eröffnet ihm, dass sie und ihr Mann aus der DDR in den Westen fliehen wollen. Er verspricht ihr, sie dabei von Österreich aus zu unterstützen. Fast den ganzen Sommer 1988 über beschäftigt sich der Autor in seiner Freizeit intensiv und umfassend mit möglichen Fluchtplänen. Am 20. August, dem wichtigsten Nationalfeiertag in Ungarn, ist es dann soweit: Jens und Nina wagen nach Mitternacht den Übertritt nach Jugoslawien - schwimmend über die Drau. In den einzelnen Kapiteln dieser autobiografischen Erzählung geht der Autor auch auf seinen damaligen beruflichen und privaten Alltag ein. Zudem verarbeitet er Wissenswertes aus Geografie, Geschichte, Politik sowie den Zeitgeist der 1980er-Jahre.

Anton Reiter, Jg. 1954, Mag. Dr. phil., studierte ab 1973 Germanistik, Geschichte, Philosophie, Psychologie an der Univ. Wien für das Lehramt an AHS und absolvierte zudem eine EDV-Ausbildung. Ab 1984 war er im BMUK als Referats- und später Abteilungsleiter an der Einführung der Schulinformatik in Österreich maßgeblich beteiligt. In den 1990ern wirkte er als Lehrbeauftragter für Multimedia-Didaktik an den Universitäten Wien und Innsbruck. Bis zu seiner Pensionierung 2018 wurden unter seiner Leitung zahlreiche schulische und universitäre Evaluationsprojekte zum Einsatz der neuen Medien im Unterricht und der Lehre erfolgreich durchgeführt. Er ist Autor und Hrsg. von Fachpublikationen und Verfasser von wissenschaftlichen Aufsätzen in diversen Fachzeitschriften. Seit 2001 betreibt er Marathonlaufen als Freizeitsport (bisher 450 Finishes in 78 Ländern) und liegt an 2. Stelle der österr. Sammlerwertung. Seine 55 absolvierten Marathons im Jahr 2013 wurden bisher hierzulande nicht überboten.

Ankunft in Westberlin – carpe diem et noctem

Am 18. Juni 1988 um 11.35 Uhr an einem Samstag hob die Douglas DC-9 der Austrian Airlines pünktlich vom Flughafen Wien-Schwechat ab, um nach ca. 1 Stunde 10 Minuten in Berlin/Schönefeld bei bewölktem Himmel und leichtem Regen zu landen. Alle Passagiere nach West-Berlin hatten sich nach der Ausweiskontrolle in den Ankunftsbereich des Terminal K zu begeben. Mein blauer Dienstpass ersparte mir eine sonst bei den anderen Ankommenden sehr strenge Ausweis- und Gepäckskontrolle.

Abb. 2-1: Beleg-Scan meines AUA-Flugtickets nach Berlin am 18. Juni 1988.

Wir bestiegen einen der auffallend schmutzig-gelb lackierten Transitbusse der Berliner Verkehrsbetriebe, dessen spartanisches Interieur durch enge, unbequeme Sitze jegliche Bequemlichkeit vermissen ließ. Mit 7 DM war die Einzelfahrt allerdings relativ billig, die Kapazität an Sitzplätzen reichte aus, um die geschätzt ca. 30-40 Fahrgäste unterzubringen. Der Flughafen Berlin-Schönefeld befand sich ca. 20 km südlich vom Berliner-Stadtkern und lag im Hoheitsgebiet der DDR. Bis zum Grenzübergang nach Westberlin an der Waltersdorfer Chaussee fuhr ein Angehöriger der Passkontrolleinheiten im Transferbus mit und stieg dann aus.

Ich hatte mir in einer Buchhandlung in Wien einen Reiseführer für Westberlin mit beigelegtem Stadtplan besorgt, um mich schon vorweg etwas zu informieren und vor Ort orientieren zu können. Die gebuchte Pension lag in der Nürnberger Straße im Tauentzien Viertel. Beim berühmten Kurfürstendamm, Ecke Adenauerplatz, damals für Touristen Flaniermeile und Hotspot in Westberlin, befand sich eine der Aus- und Einstiegstellen für den Transferbus. Von dort war die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche, eines der Wahrzeichen von Berlin, schätzungsweise (auf Basis des Maßstabs 1:20.000 der Karte) ca. 1,5 km entfernt. Ich kannte mich mit den Verkehrsverbindungen hierorts nicht aus, war es doch meine erste Reise