Ankunft in Westberlin – carpe diem et noctem
Am 18. Juni 1988 um 11.35 Uhr an einem Samstag hob die Douglas DC-9 der Austrian Airlines pünktlich vom Flughafen Wien-Schwechat ab, um nach ca. 1 Stunde 10 Minuten in Berlin/Schönefeld bei bewölktem Himmel und leichtem Regen zu landen. Alle Passagiere nach West-Berlin hatten sich nach der Ausweiskontrolle in den Ankunftsbereich des Terminal K zu begeben. Mein blauer Dienstpass ersparte mir eine sonst bei den anderen Ankommenden sehr strenge Ausweis- und Gepäckskontrolle.
Abb. 2-1: Beleg-Scan meines AUA-Flugtickets nach Berlin am 18. Juni 1988.
Wir bestiegen einen der auffallend schmutzig-gelb lackierten Transitbusse der Berliner Verkehrsbetriebe, dessen spartanisches Interieur durch enge, unbequeme Sitze jegliche Bequemlichkeit vermissen ließ. Mit 7 DM war die Einzelfahrt allerdings relativ billig, die Kapazität an Sitzplätzen reichte aus, um die geschätzt ca. 30-40 Fahrgäste unterzubringen. Der Flughafen Berlin-Schönefeld befand sich ca. 20 km südlich vom Berliner-Stadtkern und lag im Hoheitsgebiet der DDR. Bis zum Grenzübergang nach Westberlin an der Waltersdorfer Chaussee fuhr ein Angehöriger der Passkontrolleinheiten im Transferbus mit und stieg dann aus.
Ich hatte mir in einer Buchhandlung in Wien einen Reiseführer für Westberlin mit beigelegtem Stadtplan besorgt, um mich schon vorweg etwas zu informieren und vor Ort orientieren zu können. Die gebuchte Pension lag in der Nürnberger Straße im Tauentzien Viertel. Beim berühmten Kurfürstendamm, Ecke Adenauerplatz, damals für Touristen Flaniermeile und Hotspot in Westberlin, befand sich eine der Aus- und Einstiegstellen für den Transferbus. Von dort war die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche, eines der Wahrzeichen von Berlin, schätzungsweise (auf Basis des Maßstabs 1:20.000 der Karte) ca. 1,5 km entfernt. Ich kannte mich mit den Verkehrsverbindungen hierorts nicht aus, war es doch meine erste Reise