Teil II
6
Nun, da Holbrook alle vorläufig nötigen Vorkehrungen für die »Strix«-Aktion getroffen hatte, entschied er, die Angelegenheit für einige Wochen ruhen zu lassen. Das entsprach nicht seinem Naturell, aber im Augenblick gab es nicht viel, was er noch hätte tun können. Denn da Philby noch in Amerika weilte und, wie er gehört hatte, wahrscheinlich noch für einige Zeit dort bleiben würde, war es nicht möglich, auf erfolgversprechende Weise an ihn heranzutreten; und bevor das nicht geschehen und nicht eindeutig bekannt war, wie er reagieren würde, hatte es keinen Sinn, sich mehr Umstände zu machen und weiteren Aufwand zu betreiben.
Es gab jedoch eine Sache, die noch geradegerückt werden musste, und zwar in seinem eigenen Lager: die feindselige Haltung von Donald Salinger. Wenn es zu viel verlangt war, von Donald Enthusiasmus zu erwarten, so musste er doch zumindest dazu gebracht werden, bevor es bei dem Projekt ernst wurde, ein wenig freundliche Kooperationsbereitschaft zu zeigen – weil es so einfach angenehmer und effizienter ablief. Während er über das Problem nachdachte, kam Holbrook zu dem Schluss, dass ihm möglicherweise mit Vanessa Drew eine wertvolle Verbündete zur Seite stand. Eigentlich war es sein Plan gewesen, Donald mit dem, was er von Jonathan Gamp über ihr Verhalten unlängst gehört hatte, von ihr zu entfremden, in der Hoffnung, ihre unerwünschte Hochzeit platzen zu lassen oder zumindest zu verzögern. Nun entschied er sich aber für eine weniger grobgestrickte und kreativere Taktik. Sich Jonathans Bemerkung zunutzemachend, investierte er mehrere Abende und viel Geld imCavalier, um sachdienliche Hinweise über Vanessa und ihre Gewohnheiten zu sammeln, und er richtete es ein, dass er sich auch bei der nächsten ihm bekannten Gelegenheit, als Donald über Nacht auf Reisen war, dort einfand.
Vanessa, die in ihrer Vorfreude ganz aufgekratzt und erhitzt hereinkam, war alles andere als erfreut, ihn zu sehen.
»Herrgott, Jude! Was machst du denn hier?«
»Hoffen, dass ich dich treffe.«
»Wenn du glaubst …«
»Nein, Schnucki. Ich weiß, dass du dich zurzeit für Donald aufsparst.«
»Es freut mich, dass dir das klar ist.«
»Nicht so ganz, eigentlich. Offenbar scheint es da ja heimliche Ausnahmen von der Regel zu geben.«
Er wies zur Bar hin, wo Jimmy und Konsorten mit dem Rücken zu ihnen standen und ihre Drinks kippten, im schuldvollen Bewusstsein, dass sich Vanessa gerade in der Bredouille befand und sie alle irgendwie mit dafür verantwortlich waren.
»Ich verstehe«, sagte Vanessa barsch. »Und vermutlich willst du es jetzt Donald erzählen. Es sei denn, ich mache, was du willst.«
»Du warst immer schon schnell von Kapee. Aber du wirst verblüfft sein, wenn du erfährst, was es ist.«
»Dreckiger Mistkerl.«
»Deine Ausdrucksweise, Süße! Das Einzige, was du tun musst, ist Donald zu etwas zu überreden. Zu etwas, das in seinem eigenen Interesse ist.«
»Geht’s um Geld?«
»Nicht ganz. Wir sind dabei, eine Zeitschrift zu kaufen, Donald und ich. Hat er dir davon erzählt?«
»Ein wenig. Er ist nicht gerade wild darauf.«
»Und genau das macht mir Sorgen. Ich möchte, dass du ihn darauf anspitzt. Oder zumindest dafür sorgst, dass er mir dabei hilft. Es ist keine Freude, wenn er grollt.«
»Und wie soll ich das machen?«
»Du hast großen Einfluss auf ihn.«
»Nicht bei so was.«
»Schau mal, Schnucki«, sagte Jude Holbrook. »Du erwartest doch sehnlich, die Familienklunker zu tragen und die Lady im Herrenhaus zu geben, und wir freuen uns alle sehr für dich. Aber du weißt genauso gut wie ich, dass Donald ein eifersüchtiger kleiner Bub ist und ganz arg böse wäre, wenn er hören würde, dass Jimmy und Co. an seinem Honigtöpfchen geschleckt haben. Es wird also nix mit den Klunkern und dem Herrenhaus für dich, Schätzchen, wenn du nicht machst, was ich sage. Nämlich deine wohlbekannten Reize einzusetzen, um Donald dieses Magazin etwas zu versüßen. Ich erwarte nicht von ihm, dass er vor Freude schreit, aber ich will, dass er ein wenig Interesse daran zeigt. In Ordnung?«
Am Tag vor Heiligabend nahm Donald Vanessa zu einer Party bei Max de Freville, dem Spieler, mit, wo er dreitausendfünfhundert Pfund gewann. Als sie um fünf Uhr früh wieder in der Cheyne Row zurück waren (Vanessa verbrachte genauso oft hier die Nacht wie in ihrer Kellerwohnung), sagte Donald:
»Du hast mir auf jeden Fall Glück gebracht. Mit dir an meiner Seite wusste ich, dass ich einfach gewinnen musste. Aber jedes Mal, wenn du dich von mir wegbewegt hast, a