: Aiki Mira
: Neurobiest
: Eridanus Verlag
: 9783946348405
: 1
: CHF 5.30
:
: Science Fiction
: German
: 338
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In absoluter Realität - ohne Träume - kann ein Bewusstsein nicht existieren. Die Stadt Berlin im Jahr 2100 - Der menschlichen Schöpfungskraft sind nahezu keine Grenzen gesetzt, 98 Prozent aller Menschen, Tiere und Pflanzen sind modifiziert. Bioinformatikerinnen und Geningenieurx wollen die letzten Geheimnisse des Lebens entschlüsseln, es wird gezüchtet, präpariert und manipuliert. Die Biohackerin Aruke lebt gemeinsam mit ihrer Community - den Unerschütterlichen - hoch oben auf den Dächern Berlins. Auch wenn nach außen hin alles normal erscheint, mit Arukes Körper stimmt etwas ganz und gar nicht. Liegt die Ursache in ihrer Kindheit, im komplett synthetisch erzeugten Amazonas? Und was hat Riva Lux - geheimnisvolle Mega-Celebrity - damit zu tun? Aruke spürt eine ganz besondere Verbindung zu ihr. Je mehr Aruke in ihre eigene Vergangenheit eintaucht, desto mehr wird alles, woran sie glaubt, in Frage gestellt.

Berlin 2100

 

In absoluter Realität – ohne Träume – kann ein Bewusstsein nicht existieren.

Der Gedanke lässt Aruke kippen. Ihr Körper beugt sich vor, ihre Fersen lösen sich von der Dachkante. Unter schäumenden Smogwolken fließt eine Stadt. Von hier oben ein funkelndes Meer. Konturen verbiegen darin, verschwimmen, lösen sich auf.

Aruke will springen.

Mitten hinein.

Schweiß rinnt ihren Rücken hinunter. Leichter Wind kommt auf. Aruke schaudert. Arme schwingen seitwärts, graben durch dickflüssige Hitze. Schon hält sie es nicht mehr aus, zieht den Kopf zwischen die Schultern, geht in die Hocke. Gleich, denkt sie, werde ich bis zum Grund von Berlin tauchen.

 

Mehrere Meter entfernt begrüßt Kenoah die letzte Touri-Gruppe. Aruke hat Schwierigkeiten, die Stimmen auseinanderzuhalten. Nur Kenoahs Bass hebt sich hervor, schwappt warm und weich zu ihr herüber: »Willkommen auf Dach TN7! Von hier oben sehen Sie, was Berlins Architektur so besonders macht: Chrom und Chlorophyll! Wiesen wachsen entlang polierter Häuserfassaden, Nutzpflanzen sprießen auf Balkonen, ganze Wälder erheben sich von Flachdächern.«

»Das ist aber keine so schillernde Stadt im Stil des Weltraumzeitalters wie Frankfurt oder Köln.«

»Nein«, erwidert Kenoah, »das ist ein wilder Haufen, den Menschen auf der ganzen Welt als Heimat bezeichnen.«

»Was ist das für ein Gebäude am Horizont?«

»Sieht aus wie ein senkrechtstehendes Pflanzenblatt.«

»Gerade sieht es so aus. Der Turm basiert auf modularer Architektur und neuster Nanotechnologie. Er kann jederzeit seine Form ändern.«

»Ist das der Riva-Lux-Tower?«

»Nein, das ist das ISynBi, das Institut für Synthetische Biologie.«

»Aber den Tower der Mega-Celeb können wir auch von hier sehen?«

»Klar, der gehört zu den bautechnischen Katastrophen. Dort drüben steht er im Wald aus Glastürmen.«

»Katastrophen?«

»Jetzt im Sommer heizen sich die Glastürme wie Brenngläser auf. Das wahre Berlin offenbart sich erst, wenn die St