03 | Lehrveranstaltung
Der Moment, in dem für mich alles begann, kam einige Stunden später, als Richard mich ignorierte.
Ich war auf dem Weg zum Ausgang der Klinik. Nach dem Aufstehen hatte ich gelesen, dass die Wetterwacht für den Morgen blauen Himmel ankündigte, und ich hatte es als Motivation genommen, zum ersten Mal seit Monaten die Welt außerhalb des Hochhauskomplexes zu besuchen.
»Hey!«, rief ich, als wir zum zweiten Mal falsch abgebogen waren. »Ich will zum Ausgang! Gib mir die Steuerung, ich glaube, du bist noch nicht ganz wach.«
Mein Rollstuhl piepte und beschleunigte zügig um eine Ecke in einen wartenden Fahrstuhl hinein.
»Jetzt gib mir schon die Steuerung, Richard, das ist nicht lustig.«
Der Stuhl piepte eine resolute Tonfolge und ignorierte meine Anweisungen weiterhin.
Das Problem war, dass der sture Kerl die Bedienelemente und meinen Joystick unter die Armlehne geklappt hatte und sich nun weigerte, mir die Steuerung zu überlassen. Jetzt fuhr er mich die langen Gänge entlang wieder tiefer in den Komplex hinein, während ich leise, aber hitzig mit ihm diskutierte. Immer wenn Menschen in Sicht kamen, verstummte ich und lächelte, schließlich wollte ich nicht, dass irgendjemand herausfand, dass ich von meinem eigenen Rollstuhl entführt wurde.
»Das erfüllt den Tatbestand von Kidnapping, Freundchen«, zischte ich. »Bereite dich darauf vor, zu lebenslangem Frondienst als Kaffeemaschine verurteilt zu werden.«
Richard piepte leise und bestimmt.
»Sehr lustig. Wir alle wussten, dass der Tag kommen würde, an dem intelligente Maschinen die Herrschaft an sich reißen würden, aber mit einem hilflosen Mädchen zu beginnen, ist wirklich erbärmlich.« Es pfiff leise unter mir. »Du weißt, was ich meine! Und lenk nicht ab. Du gibst mir jetzt sofort die Steuerung zurück, sonst fliege ich dich persönlich nach Tatooine und verkaufe dich an einen Haufen Jawas!«
Er hupte leise und vorwurfsvoll.
»Nein, das war nicht geschmacklos. Mich gegen meinen Willen durch die Gegend zu fahren,das ist geschmacklos. Wo fahren wir überhaupt hin?«
Richard piepte eine kurze Erklärung.
»Wie jetzt, Seminarraum? Ich will nicht in den Seminarraum.« Mein Display an der Armlehne leuchtete auf und zeigte einen rot eingerahmten Kalendereintrag.
»Oh«, machte ich. »Das kann nicht sein, das Seminar war doch gerade erst.« Das Datum blinkte und daneben entfaltete sich die Jahresübersicht. »Das Jahr ist schon wieder