Vor 15 Jahren
Charlotte
Karriere
Charlotte Kaltmann-Jaeger hat exakt vor 15 Jahren ihr Jurastudium mit Prädikatsexamen beendet. Da ist sie 26 Jahre. Ein Promotionsangebot schlägt sie aus. Sie wurde heftig von Vanderthal& Partner, einer namhaften Kölner Kanzlei, umworben. Deren Angebot hatte sie einfach annehmen müssen.
Sechs Jahre später wird sie aufgrund ihrer Erfolgsquote Partnerin. Niemand vor ihr hat das so jung geschafft. Unter den 28 Partnern der Kanzlei gibt es nur zwei Frauen.
In all den Jahren hat sie spektakuläre Erfolge als Strafverteidigerin erzielt, hat Mörder verteidigt, wenn sie von deren Schuld wusste oder zumindest überzeugt war.
Es ist erst drei Wochen her, dass sie einen 28-jährigen Mann verteidigt hat, der vor Gericht jede Schuld leugnete, ihr gegenüber aber gestand, eine Frau vergewaltigt und getötet zu haben. Und sie? Sie wies der Staatsanwaltschaft Verfahrensfehler nach, und der Täter wurde freigesprochen.
Gewissensbisse? Kennt Charlotte Kaltmann-Jaeger nicht. Sie fühlt sich dem Erfolg für ihre Klienten verpflichtet und stellt dabei moralische Aspekte in den Hintergrund. Alles natürlich auf der Grundlage von Recht und Ordnung.
Ihre berufliche Situation ist blendend, und auch ihre private könnte blendend sein. Das Elternhaus vom feinsten. Der Vater im Ruhestand, namhafter Mediziner, vorher mit Professur an der Kölner Uni-Klinik, die Mutter Inhaberin einer Kunstgalerie in der Sankt-Apern-Straße.
Ihr Mann, Henning-Frederick Jaeger, Eigentümer der HFJ Engineering AG in Köln-Deutz. Firmengründer war sein Großvater Hanns-Fridolin Jaeger. Der heute 96-jährige hat das Unternehmen vor mehr als 60 Jahren gegründet. Dessen Sohn, der Vater von Henning-Frederik, hat vor gut 25 Jahren die Leitung übernommen und vor fünf Jahren an Henning-Frederick übergeben.
Charlotte und ihr Mann führen, mit dem stattlichen Haus im noblen Stadtteil Marienburg und Kölns Oberschicht zugehörig, eigentlich ein Leben auf höchstem Niveau.
Eigentlich.
Wenn Henning-Frederik nicht fremdgehen würde.
Kein normaler Donnerstag
Köln-Ossendorf
Innenstadt, Marienburg
Charlotte Kaltmann-Jaeger hat in der Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf das Gespräch mit einem Mandanten beendet, der dort in Untersuchungshaft einsitzt.
Es ist 17.00 Uhr, als sie in ihr Auto steigt. Sie fährt Richtung Innenstadt, will noch in die Kanzlei am Konrad-Adenauer-Ufer, um d